Webmaster: Eckart K. W. Moltrecht

Wochenendseminar 23-cm-Transceiver

Eckart K. W. Moltrecht
DJ4UF

Hinweis: Dies ist ein Projekt aus dem jahr 2002 und nicht mehr aktuell. Weder Platine noch Bausatz sind irgendwo erhältlich. Die Vorstellung hier auf der Homepage soll einfach nur einen Eindruck vermitteln, was im Amateurfunk so alles gemacht wird.

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Ein 23-cm-Gerät an einem Wochenende selbst bauen, kann man das schaffen? Wenn es in einer Gemeinschaft und unter guter Anleitung stattfindet, kann man es. Eckart K.W. Moltrecht, DJ4UF nahm an einer solchen Weiterbildungsveranstaltung des AATiS und DARC-Distriktes Köln-Aachen teil. Hier folgt sein Erlebnis- und Erfolgsbericht.

Als ich mich auf der HAM-Radio im Juli 2002 am Stand des Arbeitskreises Amateurfunk und Telekommunikation in der Schule (AATiS) e.V. zu diesem Seminar anmeldete, weil ich dort ein Muster dieses interessanten Transceivers gesehen hatte, ahnte ich noch nicht, was auf mich zukommen würde. Je näher der Termin rückte, desto mehr befielen mich Zweifel, ob ich das denn schaffen würde. Schließlich ist es schon mehr als zwanzig Jahre her, dass ich ein Funkgerät (Bausatz) selbst zusammengelötet hatte. Und bei 23 cm arbeitet man doch mit so winzigen Bauteilen in SMD-Technik! Nur kleine Zusatzgerätchen, Netzteile und so weiter hatte ich inzwischen selbst gebaut. Aber es wurde als Weiterbildungsseminar des DARC unter Mitwirkung einer erfahrenen AATiS-Mannschaft angekündigt und ich wollte mich gern weiterbilden lassen.

Die Unterseite mit den SMD-Bauteilen
Glücklicherweise war die Unterseite mit den SMD-Bauteilen bereits maschinell fertig bestückt. Nur die Drosselspulen mussten nachträglich noch eingefügt werden, weil der 5-V-Regler wegen Störungsverursachung in „letzter Sekunde“ verlegt werden musste.
Das fertige Gerät von oben (Deckel abgenommen)
So sah das Gerät kurz vor der „Endabnahme“ aus. Sogar die Rufzeichenaufkleber hatten die Organisatoren schon vorgefertigt.


 

Früh am Samstagmorgen fanden sich die zwanzig Teilnehmer sowie die Ausrichter in einem Nebenraum der Gaststätte „Zur Eitorfer Schweiz“ in Eitorf-Stein bei Köln ein. Der Raum war zu einem Elektroniklabor mit Messplatz und mechanischem Werkplatz hergerichtet worden. Wir breiteten alle unser eigenes Lötwerkzeug aus und waren gespannt, was nun auf uns zukommt. Simone Meys DJ2KS (AJW-Referentin im Distrikt G) als organisatorische Leiterin dieser Veranstaltung wünschte uns viel Erfolg und schon begann Michael Meys DJ5KP als technischer Leiter mit der Vorstellung des Projekts.

Michael DJ5KP und Günther DF5FC
Michael DJ5KP, der technische Leiter des Seminars und Günther, DF5FC , der Entwickler
des 23-cm-Transceivers Expert
Til interviewt Günther
Till DL9JT interviewt Günther DF5FC, wie und womit er denn den Transceiver selbst und die Platine dazu entwickelt hat.

Er schilderte kurz, wie der Ablauf des Lötseminars sein soll. Jeder bekommt gleich einen genauen Ablaufplan, in welcher Reihenfolge die Teile der Platine bestückt werden sollen, aber alle arbeiten gemeinsam, denn zu vielen Dingen muss zum Einbau noch etwas gesagt werden. Dazu wird jeweils eine Overheadfolie der Platine aufgelegt, wo die Bauteile farblich gekennzeichnet sind, die von allen genau so eingebaut beziehungsweise eingelötet werden sollen. Die Bauteile werden nacheinander ausgegeben, damit niemand schon weit vorarbeiten kann. Lieber sollen die „schnellen Löter“ ihren langsameren oder weniger erfahrenen Nachbarn helfen.

Kann man das denn schaffen, so aufeinander wartend ein Bauteil nach dem anderen einlötend, einen ganzen Transceiver mit Anzeigeplatine an einem Wochenende zusammen zu löten und mechanisch in ein Gehäuse einzubauen? Es zeigte sich: Gerade dieses gemeinsame Tun bringt den hundertprozentigen Erfolg.

Seminarteilnehmer links
Die Seminarteilnehmer auf der linken Seite.
Im Hintergrund: Michael erläutert den
nächsten Schritt auf der Platine mit Hilfe
des Overhead-Projektors.
Seminarteilnehmer rechts
Die Seminarteilnehmer auf der rechten Seite - viele OMs im „gesetzten“ Alter, die sich mit dem Aufbau dieses modernen 23-cm-Geräts "abmühen".

Der AATiS mit seinen Technikern und Lehrern hat viel Erfahrung mit praktischen Weiterbildungsseminaren, beispielsweise dem Aufbau einer APRS-Ausrüstung mit GPS-System mit einer Reihe von Eintagesseminaren in Frechen bei Köln, Gera, Goslar/Harz, Illingen/Saar, Limburgerhof/Pfalz, Nierstein, Neustadt/Hannover und Weiterstadt/Darmstadt. Ferner bot das AJW Referat West (Raum Köln-Aachen) im letzten Jahr das AATiS-DARC-Seminar mit dem 2-m-FM-Empfänger für Einsteiger an.

Nun hatte sich Michael DJ5KP vom AATiS und DARC AJW-Referat West vorgenommen, ein Wochenendseminar mit einem solch anspruchsvollen Gerät durchzuführen, wie diesem 23-cm-Transceiver. Michael meinte, man hätte schon sehr viel für Anfänger und Einsteiger getan aber noch sehr wenig für Funkamateure mit Löterfahrung. A J W bedeute „Ausbildung, Jugendarbeit und Weiterbildung“. Und das „W“ sei eigentlich bisher etwas zu kurz gekommen.

Er hatte Günther Borchert DF5FC an der Hand, der schon viele Bausätze für den AATiS entwickelt und etliche Seminare durchgeführt hatte. Michael gab ihm eine „Wunschliste“, welche Eigenschaften dieser 23-cm-Transceiver haben sollte. Dazu gehören:

- Zwei getrennte VFOs für Sendung und Empfang
- beliebige Shift
- keine Geschwindigkeitsprobleme für hohe Baudraten in Packet Radio
- Anzeige mehrzeilig,
- gleichzeitige Anzeige von Sende- und Empfangsfrequenz
- Menütechnik wie bei modernen Transceivern
- Scanbetrieb
- hohe Senderleistung (2 Watt ist schon viel auf 23 cm)
- ansprechendes Gehäuse
- und so weiter.

Günther entwickelte das Gerät auf einer Europakarte für ein Standardgehäuse, wie es beispielsweise für TNCs verwendet wird. Es sollte alle diese Bedingungen erfüllen.

Die Oberseite der Platine
Diese Bauteile auf der Oberseite der Platine mussten von den Teilnehmern bestückt werden.
Ein SMD-Bauteil
Dies ist ein SMD-Bauteil, ein Widerstand, der bei der Endabnahme ausgetauscht werden musste.

Nun also saßen wir mit unserem mitgebrachten Lötwerkzeug vor dieser Platine und sollten löten. Gott sei Dank waren die SMD-Bauteile auf der Unterseite der Platine bereits bestückt. Das hätte man natürlich auf einem solchen Seminar nicht schaffen können. Es mussten „nur“ noch die ICs, die Filter, Quarze, Drosseln, Transistoren, Dioden, Elkos, Leistungswiderstände, Potis, 5-V-Spannungswandler-IC, Buchsen, Schalter, Anschlussstifte und Verbindungsleitungen auf der Oberseite beziehungsweise einer Zusatzplatine eingelötet werden. Die Sender-Endstufe mit dem Abstimmkreis war ebenfalls schon bestückt.

Cornelius DO1OCB
Der neunzehnjährige Cornelius DO1OCB
tauscht ein SMD-Bauteil aus. Dazu
benutzte er die Arbeitslupe.
 
Simone DJ2KS
Simone DJ2KS hatte nicht nur die organisatorische Leitung, sie half auch
bei der Vorbereitung der Platinen-
überprüfung durch Lötarbeiten mit.

So hielt sich die Feinlötarbeit in Grenzen und „einer wie ich“ mit normaler Löterfahrung konnte es gut schaffen. Wenn es schwierig wurde, weil doch zwei oder drei SMD-Bauteile ausgetauscht werden mussten, halfen Günther, Michael oder andere Seminarteilnehmer mit viel SMD-Erfahrung. Außerdem hatte Günther noch Gunter May DL3ABQ und den erst 19-jährigen Cornelius Bode DO1OCB aus Hannover zur Unterstützung mitgebracht. Sie gingen als Helfer jeweils von Platz zu Platz und schauten, ob das Bauteil richtig eingelötet wurde und gaben entsprechende Hilfen.

Nachdem die Mikrocontrollerplatine fertig bestückt worden war, ging man zum ersten Prüfstand zur Abnahme zu Michael. Die Sender-/Empfangsplatine wurde bei Günther am Spektrumanalysator-Messplatz abgeglichen. Am Sonntag wurden die Platinen zusammen in das Gehäuse eingebaut und verkabelt. Es erfolgte eine erneute Überprüfung an Günters Messplatz und schließlich die echte Senderprobe mit einem Mikrofon über das Bonner Relais.

Günther DF5FC
Günther Borchert, DF5FC, der Entwickler des Geräts bei der Funktionsprüfung einer aufgebauten Platine mit Hilfe von Oszilloskop, Frequenzwobbler und Analyzer.
 
Hans-Otto, DL2KCI
„Meine Platine hat ihre Messprüfung bestanden“, freut sich Hans-Otto Dornfeld, DL2KCI, der damailige Referent für Ausbildung, Jugendarbeit und Weiterbildung (AJW) des DARC.

Von den zwanzig Bausätzen sind 18 komplett fertig geworden. Bei einem Bausatz wurden leider Eingang und Ausgang des 5-V-Spannungswandlers vertauscht, wobei nicht nur dieser, sondern wohl auch noch etliche weitere elektronische Bauteile den Überspannungstod gestorben sind. Bei einem anderen Transceiver ist wegen eines Kurzschlusses auf der Platine das Sendermodul kaputt gegangen. Alle anderen OMs fuhren am Sonntagnachmittag mit einem voll funktionsfähigen Funkgerät für das 23-cm-Band nachhause. Zuhause probierte ich das Gerät dann mit Hilfe von Eike, DF7KX, der eine 23-cm-Antenne hat, für Packet Radio mit unserem Digi DB0ACH aus. Nach ein paar Tests zur Modulationseinstellung funktionierte das Gerät zur vollen Zufriedenheit.

Die Teilnehmer hatten für den Bausatz 290 € und als Verpflegungspauschale 20 € gezahlt, wobei der DARC das Projekt finanziell unterstützt hatte. Simone hat bereits so viel Anmeldungen für weitere Wochenendseminare für dieses Gerät, dass die 130 Stück vorbereiteter Bausätze nicht einmal ausreichen. Bereits zwanzig OMs stehen auf der Warteliste. 

Das ist echter Amateurfunk: Basteln (bauen, löten) in Gemeinschaftsarbeit. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Wenn es möglich wäre, würde in jedem Jahr an einem solchen Seminar teilnehmen. Viele OMs wären bereit, dafür einen gar nicht einmal so geringen Obolus zu investieren. Mit einem selbst gebauten Funkgerät macht der Funkbetrieb viel mehr Spaß. Ganz und gar Geräte selbst entwickeln und bauen kann eigentlich heute kein „normaler“ Funkamateur mehr, wenn er nicht beruflich damit zu tun hat. So aber spürt man wieder etwas von dem Gefühl von Selbstbaugeräten, mit denen man dann Funkbetrieb durchführt, so wie wir es vor 40 Jahren machten beziehungsweise machen mussten, da es damals noch keine kommerziellen Funkgeräte zu kaufen gab.

Vielen Dank Günther DF5FC, Michael DJ5KP, Simone DJ2KS, Till DL9JT, Gunter DL3ABQ, Wolfgang DG3KCR und Cornelius DO1OCB!

Eckart K. W. Moltrecht, DJ4UF

September 2002

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