ein Bauprojekt von Klaus Roggenkamp, DK3HA

Bild 1: Prinzip der Schaltung
Basteln macht Spaß
Um
symmetrische Antennen über eine Hühnerleiter an eine
Sendeendstufe anzupassen, gibt es verschiedene Lösungen. Karl
Rothammel beschreibt bereits in den 60er Jahren die Anpassung einer
Doppel-Zepp (Doublet) mit einem symmetrischen Collins-Filter. Dieses
Konzept ist Grundlage für den hier vorgestellten Entwurf. Nun
gibt
es mittlerweile viele automatische Antennentuner, allerdings sind die
rein symmetrischen Tuner sehr rar bzw. sehr teuer in der Anschaffung.
Grund genug im Bastelkeller nachzuschauen, welche Bauteile sich
für dieses Projekt noch eignen. Außerdem macht
Basteln
Spaß.
Bild 2
Mein Tuner sollte den
Bereich von 160 m
bis 10m – vielleicht wäre auch 6 m möglich?
–
abdecken und die 200 Watt meines FT1000MP MKV an eine 2 x 10m lange
Antenne in 12 m Höhe symmetrisch anpassen. Eine
450-Ω-Hühnerleitung war schnell hergestellt. Alte
Epoxid-Platinenreste dienen auch heute noch als Abstandshalter (5 cm)
für die beiden Drähte der Hühnerleitung. Die
Wanddurchführung mit einem 50 mm HT-Rohr aus der
Sanitärinstallation, bei der die beiden Leitungen mit
Kabelbinder
an der Innenwand festgezurrt sind und so den nötigen Abstand
nahezu einhalten (siehe Foto), erlaubt es, den Tuner im Shack zu
betreiben.
Das Ergebnis mehrerer
Versionssprünge, bei
der die Platinen wegen der hohen kapazitiven bzw. induktiven Grundlast
optimiert wurden, ist den nachfolgenden Fotos zu entnehmen. Die
kleineren Cs – bis 25 pF - sind aus doppelt-kaschiertem
Epoxy-Material hergestellt und entsprechend spannungsfest. Das
Dieelektrikum ist für die Kurzwelle gut geeignet. Die
übrigen
Kondensatoren sind 2000V-Typen FKP-1 von Reichelt und damit sicherlich
auch für größere Leistungen bei hochohmigen
Antennen
noch verwendbar. Ich habe jedenfalls mit 200 W seit 3 Jahren keinerlei
Probleme gehabt. Einzig, beim Prototyp ist ein Glimmer-Kondensator
für 500V gestorben. Nach Austausch gegen eine solchen der
Serie
FKP-1 gab es keinen Ausfall mehr.
Die Induktivitäten mit
µr = 1 (Luftspulen) sind aus 1,2 mm
(1,8 mm, was gerade da war) Cul alter Trafos
auf 15mm Installationsrohr gewickelt. Die größeren
Induktivitäten sind auf Amidon T130-2 bzw. T157-2 –
Ringkerne gewickelt.
Alle Relais sind 24V-Typen
(Reichelt FIN
41.61.9 24V oder billiger bei ebay suchen). Die Stromaufnahme wird
damit so gering, dass 25-poliges Steuerkabel mit geringem Querschnitt
über lange Strecken funktioniert. Ich verwende gerne alte
twisted-pair Cat5-Installations¬kabel. Mit drei Kabeln hat man
24
Leitungen plus 3 Abschirmungen. Einfacher ist es auf jeden Fall, wenn
die Steuerung "indoor" mit einem 25-poligen Flachbandkabel mit
gequetschten Steckern die Verbindung zum Antennentuner herstellt.
Die internen Verbindungen im
Antennentuner werden mit 20-poligem
für die Cs bzw. 10-poligem Flachbandkabel für die Ls
über die Stiftleisten hergestellt. Diese vielpoligen
Verbindungen
sind leicht herzustellen und haben bislang zu keinem Ausfall innerhalb
der letzten drei Jahre geführt. Verbunden werden die beiden
Kapazitätsplatinen mit einem 20-poligen Flachbandkabel
(Orientierung beachten!) und die beiden Platinen mit den
Induktivitäten mit einem 10-poligen Flachbandkabel. Von je
einer
Kapazitätsplatine bzw. einer Induktivitätsplatine
wird mit
gleichem Flachbandkabel eine Verbindung zur Konvertierung auf die
Platine mit der 25-poligen D-Sub-Buchse geführt.
Bild 3
Die Platinen werden in
Sandwichbauweise mit
Abstandshaltern zu einem kompakten Block zusammengefügt. Die
vier
Verbindungen von Ein- und Ausgangskapazitäten mit den beiden
Platinen, auf denen die Induktivitäten gelötet sind,
liegen
genau untereinander, so dass sie mit Hilfe gerader
Drahtbrücken einfach verbunden werden können. Auf dem
Foto
der komplett zusammengebauten Einheit sieht man eine der
Drahtverbindungen links direkt neben dem Abstandshalter. Die Seite, an
der sich die größeren Kapazitäten befinden,
wird mit
dem Strombalun verbunden. Der Ausgang des Strombaluns führt zu
einer SO239-Buchse, die mit dem Transceiver über eine
50-Ω-Koax-Leitung verbunden wird. Die andere Seite
führt zur
Hühnerleiter. Ich verwende als Verbindung zur
Hühnerleiter
zwei SO239-Teflonbuchsen. Die Außenleiter werden nicht
benutzt.
Dies ist für die 200-Watt-Version ausreichend spannungsfest.
Bild 4
Bild
5

Bild 6: Schaltplan Kapazitäten

Bild 7: Bestückungspläne der
Kondensatorplatinen
Auf der oberen Platine befinden sich links neben den
Stiftleisten 4 Brücken auf der Top-Seite.
Auf der unteren Platine befinden sich rechts neben den Stiftleisten 3
Brücken.
Eine weitere Brücke befindet sich oberhalb von C1A und C2A.
Zur Anfertigung der kleinen Kapazitäten aus doppelt
beschichtetem
Epoxy-Material können folgende Anhaltswerte verwendet werden:
1,6 pF
7 mm x 10,5 mm
3,2 pF 14
mm x 10,5 mm
6,4 pF 28
mm x 10,5 mm
12,8 pF 28 mm x 21 mm
18,75 pF 28 mm x 30,8 mm
25 pF 28
mm x 42 mm
Die absoluten Werte sind nicht kritisch. Kleine Abweichungen wirken
sich kaum aus.
Schaltplan Induktivitäten

Bild 8: Identische Bestückung beider
Platinen für die Induktivitäten
Unter den Relais sind 5 Brücken zu bestücken.
Zwischen den Stiftleisten sind 6 Brücken zu bestücken.
Zur
Anfertigung der Induktivitäten bitte auf
größtmögliche Symmetrie achten. Der
absolute Wert ist
nicht ganz so entscheidend.
L2X, L2Y CuL d = 1,8 mm N = 3 Wdg. auf 15
mm Installationsrohr gewickelt
L3X, L3Y CuL d = 1,8 mm N = 5
Wdg auf 15 mm Installationsrohr gewickelt
L4X, L4Y CuL d = 1,3 mm N = 8
Wdg auf 15 mm Installationsrohr gewickelt
L5X, L5Y CuL d = 1,3 mm N = 12
Wdg auf 15 mm Installationsrohr gewickelt
L6X, L6Y CuL d = 1,3 mm N = 17
Wdg auf Amidon Ringkern T130-2 (rot)
L7X, L7Y CuL d = 1,3 mm N = 24
Wdg auf Amidon Ringkern T130-2 (rot)
L8X, L8Y CuL d = 1,3 mm N = 30
Wdg auf Amidon Ringkern T157-2 (rot)
Es empfiehlt sich, die Werte mit einem Messgerät nachzumessen,
um
zu große Streuungen zu vermeiden. Ggf. ergeben sich kleine
Abweichungen von den Vorgaben.
Dies gilt sinngemäß natürlich auch
für die Kapazitäten
Bild 9
Auf
der Transceiverseite befindet sich ein Strombalun nach W1JR, um
Mantelströme im Shack zu vermeiden. Auf zwei Ringkerne
FT140-43
werden 8 bis 9 Wdg. RG58 nach nebenstehendem Schema aufgewickelt. Dies
dürfte für 200 Watt ausreichen. Bei mir werkelt ein
FT240-43,
der sich noch in der Bastelkiste befand. Der Kern ist für
diese
Matchbox überdimensioniert.
Die Wicklungskapazität wird geringer, wenn man Teflonkabel
RG316
verwendet. Auf jeden Fall sollte man überprüfen, ob
eine
Resonanz des Baluns im Bereich von 1,8 MHz bis 30 Mhz auftritt. Dies
ist unbedingt zu vermeiden. Hinweise hierzu gibt es im Internet.
Bild 10: Balun
Stücklisten der Platinen
1. Kapazitäten

2. Induktivitäten

Anleitung zum Bau des Antennentuners nach DK3HA
Die 4 Platinen für die Aufnahme der Kapazitäten und der
Induktivitäten werden gemäß Vorlage geätzt und
gebohrt.

Layoutvorlage für die Kondensatoren, Bild nicht maßstabsgerecht! Maße 78,8 mm x 144,8
mm
(Klicken für großes Bild)

Bild 12: Layoutvorlage
für die Induktivitäten (Maße 72,4 mm x 156,2 mm),
Vorlagen sind identisch! Bild nicht maßstabsgerecht!
Folgende Bohrdurchmesser
sind bereitzuhalten (Anhaltswerte, bei Verwendung eigener Bauteile anpassen):
- Durchkontaktierungen (Vias) für die Brücken 0,7 – 0,8 mm
-
Kondensatoren 100nF und parallele Leerlaufdioden 0,8 mm
-
10 bzw. 20-polige Stiftleisten 1 mm
-
Kondensatoren für die Anpassung 1 mm
-
Relaiskontakte
1,1 – 1,3 mm
-
Induktivitäten für die Anpassung 1,3mm .... je nach verwendetem Drahtdurchmesser
-
Kabelbinder, Bohrungen für Abstandshalter 3 –3,2 mm
Durchführung der Arbeiten
- Zunächst werden auf allen 4 Platinen
gemäß Bestückungsplan die Brücken bestückt.
alle Brücken sind so auf den Platinen angeordnet, dass eine
Isolation der Brücken entfallen kann. Ggf. könnte eine
zweiseitige Platine geätzt werden. Da die Durchkontaktierungen
(Vias ) z. T. sehr nahe zueinander angeordnet sind, muss hier besonders
auf Lötbrücken geachtet werden.
- Im zweiten Schritt empfiehlt es sich, die Dioden ( 1N4004
o. ä. ) und 100nF-Kondensatoren ( o. ä. ) zu bestücken.
Die abgeschnittenen Drahtenden können für die Kondensatoren
gut verwendet werden.
- Im dritten Schritt können die 10- bzw. 20-poligen Stiftleisten bestückt werden.
- Es folgen die 30 Relais. ( Anleitung: Um eine geringere
Grundkapazität zu erhalten, können nicht genutzte
Federkontakte der Relais entfernt werden. Ich habe mir die Mühe
bei mehreren Exemplaren nicht machen müssen. )
- Mit einer Blechschere bzw. Säge werden nun die
kleinen Kapazitäten aus doppelseitigem Platinenmaterial
gemäß Vorgabe erstellt und ggf. mit einem Messgerät
überprüft. Die Ränder der Kapazitäten sollten
gratfrei gemacht werden, da an spitzen Ausfransungen größere
Feldstärken entstehen können, die zu Überschlägen
führen könnten. Dies ist bei meinen Prototypen allerdings nie
vorgekommen. Die Kondensatoren werden nun mit Anschlussdrähten (
s. o ) versehen – für die größeren Cs sind je
Platte 2 Drähte vorgesehen.
- Nun werden alle Kapazitäten gemäß
Bestückungsplan bestückt. Sinnvoll ist es, mit den
FKP-Kondensatoren zu beginnen, da die selbstgefertigten leichter
umknicken können. Dies ist im Betrieb später natürlich
kein Hindernis.
- Abschließend können mit einem 24V-Netzteil
beide Platinen überprüft werden. Hierzu verbindet man den +
Pol mit Pin 19/20 der Stiftleiste ( bzw. einer Kathode der
Relais-Dioden ) und testet alle Relais durch Berühren der
jeweiligen Stifte mit dem – Pol. Schließt man gleichzeitig
ein Kapazitätsmessgerät an die jeweiligen Ausgänge an,
so muss die zugehörige Kapazität angezeigt werden. Hinweis!!
Dieser Test kann besser später mit dem noch zu beschreibendem
Testgerät mit DIP-Switches leichter durchgeführt werden.
- Gemäß Vorgaben werden nun die
Induktivitäten hergestellt. Hierbei sollte auf
größtmögliche Symmetrie geachtet werden. Die Ringkerne
werden nach dem Einlöten mit Kabelbindern auf der Platine
befestigt. Ein Test erfolgt gemäß vorigem Abschnitt.
- Um die Platinen untereinander zu verbinden, benötigt
man ein ca. 20 cm langes 20-poliges und ein ca. 15 cm langes
10-poliges Flachbandkabel ( nicht mehr verwendete IDE- bzw. Floppy
Kabel ), deren Buchsen aufgequetscht werden. Der Quetschvorgang
lässt sich leicht in einem Schraubstock vornehmen. Die im Bild
gezeigte Methode geht auch, allerdings muss mit leichtem Druck
zumindest zweimal gepresst werden. Ein kleiner Pfeil auf der Buchse
zeigt Pin 1 an (Bild).
- Um die Platinen mit der Konvertierung auf SUB-D 25
zu verbinden, werden zusätzlich je ein 10- und eine 20-poliges
Kabel benötigt, deren Länge von dem gewählten
Gehäuse abhängt.
- Die Platinen werden mit Abstandshaltern zu einem Block
zusammengefügt und an den entsprechenden Lötpads von oben
nach unten verbunden ( 1mm Silberdraht o. ä. ).
- Der Balun ist nun gemäß Vorgabe zu wickeln und
an eine SO239-Buchse anzuschließen ( Senderseite ). Die
Antennenseite wird mit gut isolierten Anschlusspunkten für die
Hühnerleiter verbunden ( beim meinem Prototypen habe ich auch hier
die Innenleiter Teflon-isolierter SO239 Buchsen in 5cm Abstand
verwendet.
Wenn man die Platinen an entsprechenden Stellen mit einer Feile
bearbeitet, passt der komplette Tuner gerade in ein staubdichtes und
strahlwassergeschütztes Gehäuse BOPLA ET-240 mit den
Abmessungen 250x160x 90mm.
Bild 14:

Bild 15: Das Layout
Bestückungsplan incl. Brücken auf der Topseite

Bild 16: klicken zum Vergrößern

Bild 17: Bestückungsplan Mäuseklavier (Klicken für großes Bild)
Stückliste Steuerung 3.1 mit Mäuseklavier.sch
Menge Wert
Device
Bauteile
1 737992-55
X1
SCHALTBUCHSE PRINTMONTAGE
1
M25HP
X3
SuB-D 25-polig
male
1 PINHD-2X5
JP4
Stiftleiste
1 PINHD-2X10
JP2
Stiftleiste
3
SW_DIP-8
CKA, CKE,
L
1 0,47n
C-EU050-055X075
C6
1 1µ/35V
CPOL-EUTT2D4
C3
2 1N4934
DIODE-12,5
D1, D2
1 2,2M
RESEU-7,5
R1
1 47n
C-EU050-030X075
C5
1 100n
C-EU050-030X075
C4
1 390K
RESEU-7,5
R2
2 1000µF/35V
CPOL-EUE5-13 C1,
C2
1 SK12/25
SK12/25
KK1
Kühlkörper
1 TDA2003T TDA2003T
Test
Zum Test der Matchbox lässt sich diese Platine, ausgestattet mit
einem 25-poligen D-Sub-Stecker, direkt auf die Buchse des Tuners
stecken. Über die Dip-Switches kann jedes Relais angesprochen
werden. Die Fehlersuche wird dadurch wesentlich erleichtert. Die
Spannungsversorgung dieser Einheit kann mit einem handelsüblichen
12V-Steckernetzteil (1A) mit Hohlstecker vorgenommen werden. Die 24V
werden mit einem Leistungs-OP (Spannungsverdopplung) aus der 12V-Quelle
erzeugt. Natürlich kann man die 24V auch aus einer anderen Quelle
direkt mit der Platine verbinden. Die zusätzliche Elektronik
entfällt dann.
Konvertierung auf D-Sub-Verbindung
Die
Konvertierung auf eine preisgünstige D-Sub-Verbindung dient dazu,
die Steuerungseinheit mit der abgesetzten Matchbox zu verbinden. Damit
ist es möglich, die Matchbox auch direkt im Speisepunkt einer
symmetrischen Antenne anzubringen. Dies setzt natürlich ein
wasserdichtes Gehäuse für die Matchbox voraus. Für das
Steuergerät ist eine „männliche“
D-Sub-Einbaubuchse vorgesehen. Das „weibliche“ Pendant
sitzt in der Matchbox. Für kurze Entfernungen im Shack kann ein
25-poliges Verbindungskabel leicht mit Hilfe von sog.
„D-Sub-Quetschsteckern“ hergestellt werden.
Bild 18
1
M25HP
X3
SuB-D 25-polig
male
1
M25HP
X1
SuB-D 25-polig
female
2 PINHD-2X5
JP1, JP2
Stiftleiste
2 PINHD-2X10
JP3, JP4
Stiftleiste
Zum Teil 2 des Bauprojektes "Die Steuerung" >>>