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Ein
23-cm-Gerät an einem Wochenende selbst bauen, kann man das
schaffen? Wenn es in einer Gemeinschaft und unter guter Anleitung
stattfindet, kann man es. Eckart K.W. Moltrecht, DJ4UF nahm an einer
solchen Weiterbildungsveranstaltung des AATiS und DARC-Distriktes
Köln-Aachen teil. Hier folgt sein Erlebnis- und Erfolgsbericht.
Als ich mich auf der HAM-Radio
im Juli am Stand des Arbeitskreises Amateurfunk und Telekommunikation
in der Schule (AATiS) e.V. zu diesem Seminar anmeldete, weil ich dort
ein Muster dieses interessanten Transceivers gesehen hatte, ahnte ich
noch nicht, was auf mich zukommen würde. Je näher der
Termin rückte, desto mehr befielen mich Zweifel, ob ich das
denn schaffen würde. Schließlich ist es schon mehr
als zwanzig Jahre her, dass ich ein Funkgerät (Bausatz) selbst
zusammengelötet hatte. Und bei 23 cm arbeitet man doch mit so
winzigen Bauteilen in SMD-Technik! Nur kleine Zusatzgerätchen,
Netzteile und so weiter hatte ich inzwischen selbst gebaut. Aber es
wurde als Weiterbildungsseminar des DARC unter Mitwirkung einer
erfahrenen AATiS-Mannschaft angekündigt und ich wollte mich
gern weiterbilden lassen.

Glücklicherweise
war die Unterseite mit den SMD-Bauteilen bereits maschinell fertig
bestückt. Nur die Drosselspulen mussten nachträglich
noch eingefügt werden, weil der 5-V-Regler wegen
Störungsverursachung in „letzter Sekunde“
verlegt werden musste.
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So sah das Gerät
kurz vor der „Endabnahme“ aus. Sogar die
Rufzeichenaufkleber hatten die Organisatoren schon vorgefertigt.
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Früh am Samstagmorgen
fanden sich die zwanzig Teilnehmer sowie die Ausrichter in einem
Nebenraum der Gaststätte „Zur Eitorfer
Schweiz“ in Eitorf-Stein bei Köln ein. Der Raum war
zu einem Elektroniklabor mit Messplatz und mechanischem Werkplatz
hergerichtet worden. Wir breiteten alle unser eigenes
Lötwerkzeug aus und waren gespannt, was nun auf uns zukommt.
Simone Meys DJ2KS (AJW-Referentin im Distrikt G) als organisatorische
Leiterin dieser Veranstaltung wünschte uns viel Erfolg und
schon begann Michael Meys DJ5KP als technischer Leiter mit der
Vorstellung des Projekts.

Michael DJ5KP, der
technische Leiter des Seminars und Günther, DF5FC , der
Entwickler
des 23-cm-Transceivers Expert
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Till DL9JT interviewt
Günther DF5FC, wie und womit er denn den Transceiver selbst
und die Platine dazu entwickelt hat.
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Er schilderte kurz, wie der
Ablauf des Lötseminars sein soll. Jeder bekommt gleich einen
genauen Ablaufplan, in welcher Reihenfolge die Teile der Platine
bestückt werden sollen, aber alle arbeiten gemeinsam, denn zu
vielen Dingen muss zum Einbau noch etwas gesagt werden. Dazu wird
jeweils eine Overheadfolie der Platine aufgelegt, wo die Bauteile
farblich gekennzeichnet sind, die von allen genau so eingebaut
beziehungsweise eingelötet werden sollen. Die Bauteile werden
nacheinander ausgegeben, damit niemand schon weit vorarbeiten kann.
Lieber sollen die „schnellen Löter“ ihren
langsameren oder weniger erfahrenen Nachbarn helfen.
Kann man das denn schaffen, so
aufeinander wartend ein Bauteil nach dem anderen einlötend,
einen ganzen Transceiver mit Anzeigeplatine an einem Wochenende
zusammen zu löten und mechanisch in ein Gehäuse
einzubauen? Es zeigte sich: Gerade dieses gemeinsame Tun bringt den
hundertprozentigen Erfolg.

Die Seminarteilnehmer auf
der linken Seite.
Im Hintergrund: Michael erläutert den
nächsten Schritt auf der Platine mit Hilfe
des
Overhead-Projektors.
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Die Seminarteilnehmer auf
der rechten Seite - viele OMs im „gesetzten“ Alter,
die sich mit dem Aufbau dieses modernen 23-cm-Geräts
"abmühen".
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Der AATiS mit seinen
Technikern und Lehrern hat viel Erfahrung mit praktischen
Weiterbildungsseminaren, beispielsweise dem Aufbau einer
APRS-Ausrüstung mit GPS-System mit einer Reihe von
Eintagesseminaren in Frechen bei Köln, Gera, Goslar/Harz,
Illingen/Saar, Limburgerhof/Pfalz, Nierstein, Neustadt/Hannover und
Weiterstadt/Darmstadt. Ferner bot das AJW Referat West (Raum
Köln-Aachen) im letzten Jahr das AATiS-DARC-Seminar mit dem
2-m-FM-Empfänger für Einsteiger an.
Nun hatte sich Michael DJ5KP
vom AATiS und DARC AJW-Referat West vorgenommen, ein Wochenendseminar
mit einem solch anspruchsvollen Gerät durchzuführen,
wie diesem 23-cm-Transceiver. Michael meinte, man hätte schon
sehr viel für Anfänger und Einsteiger getan aber noch
sehr wenig für Funkamateure mit Löterfahrung. A J W
bedeute „Ausbildung, Jugendarbeit und
Weiterbildung“. Und das „W“ sei
eigentlich bisher etwas zu kurz gekommen.
Er hatte Günther
Borchert DF5FC an der Hand, der schon viele Bausätze
für den AATiS entwickelt und etliche Seminare
durchgeführt hatte. Michael gab ihm eine
„Wunschliste“, welche Eigenschaften dieser
23-cm-Transceiver haben sollte. Dazu gehören:
- Zwei getrennte VFOs
für Sendung und Empfang
- beliebige Shift
- keine Geschwindigkeitsprobleme für hohe Baudraten in Packet
Radio
- Anzeige mehrzeilig,
- gleichzeitige Anzeige von Sende- und Empfangsfrequenz
- Menütechnik wie bei modernen Transceivern
- Scanbetrieb
- hohe Senderleistung (2 Watt ist schon viel auf 23 cm)
- ansprechendes Gehäuse
- und so weiter.
Günther entwickelte
das Gerät auf einer Europakarte für ein
Standardgehäuse, wie es beispielsweise für TNCs
verwendet wird. Es sollte alle diese Bedingungen erfüllen.

Diese Bauteile auf der
Oberseite der Platine mussten von den Teilnehmern bestückt werden.
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Dies ist ein SMD-Bauteil,
ein Widerstand, der bei der Endabnahme ausgetauscht werden musste.
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Nun also saßen wir
mit unserem mitgebrachten Lötwerkzeug vor dieser Platine und
sollten löten. Gott sei Dank waren die SMD-Bauteile auf der
Unterseite der Platine bereits bestückt. Das hätte
man natürlich auf einem solchen Seminar nicht schaffen
können. Es mussten „nur“ noch die ICs, die
Filter, Quarze, Drosseln, Transistoren, Dioden, Elkos,
Leistungswiderstände, Potis, 5-V-Spannungswandler-IC, Buchsen,
Schalter, Anschlussstifte und Verbindungsleitungen auf der Oberseite
beziehungsweise einer Zusatzplatine eingelötet werden. Die
Sender-Endstufe mit dem Abstimmkreis war ebenfalls schon
bestückt.

Der
neunzehnjährige Cornelius DO1OCB
tauscht ein SMD-Bauteil aus.
Dazu
benutzte er die Arbeitslupe.
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Simone DJ2KS hatte nicht
nur die organisatorische Leitung, sie half auch
bei der Vorbereitung
der Platinen-
überprüfung durch Lötarbeiten
mit.
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So hielt sich die
Feinlötarbeit in Grenzen und „einer wie
ich“ mit normaler Löterfahrung konnte es gut
schaffen. Wenn es schwierig wurde, weil doch zwei oder drei
SMD-Bauteile ausgetauscht werden mussten, halfen Günther,
Michael oder andere Seminarteilnehmer mit viel SMD-Erfahrung.
Außerdem hatte Günther noch Gunter May DL3ABQ und
den erst 19-jährigen Cornelius Bode DO1OCB aus Hannover zur
Unterstützung mitgebracht. Sie gingen als Helfer jeweils von
Platz zu Platz und schauten, ob das Bauteil richtig eingelötet
wurde und gaben entsprechende Hilfen.
Nachdem die
Mikrocontrollerplatine fertig bestückt worden war, ging man
zum ersten Prüfstand zur Abnahme zu Michael. Die
Sender-/Empfangsplatine wurde bei Günther am
Spektrumanalysator-Messplatz abgeglichen. Am Sonntag wurden die
Platinen zusammen in das Gehäuse eingebaut und verkabelt. Es
erfolgte eine erneute Überprüfung an Günters
Messplatz und schließlich die echte Senderprobe mit einem
Mikrofon über das Bonner Relais.

Günther
Borchert, DF5FC, der Entwickler des Geräts bei der
Funktionsprüfung einer aufgebauten Platine mit Hilfe von
Oszilloskop, Frequenzwobbler und Analyzer.
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„Meine Platine
hat ihre Messprüfung bestanden“, freut sich
Hans-Otto Dornfeld, DL2KCI, der damailige Referent für
Ausbildung, Jugendarbeit und Weiterbildung (AJW) des DARC.
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Von den zwanzig
Bausätzen sind 18 komplett fertig geworden. Bei einem Bausatz
wurden leider Eingang und Ausgang des 5-V-Spannungswandlers vertauscht,
wobei nicht nur dieser, sondern wohl auch noch etliche weitere
elektronische Bauteile den Überspannungstod gestorben sind.
Bei einem anderen Transceiver ist wegen eines Kurzschlusses auf der
Platine das Sendermodul kaputt gegangen. Alle anderen OMs fuhren am
Sonntagnachmittag mit einem voll funktionsfähigen
Funkgerät für das 23-cm-Band nachhause. Zuhause
probierte ich das Gerät dann mit Hilfe von Eike, DF7KX, der
eine 23-cm-Antenne hat, für Packet Radio mit unserem Digi
DB0ACH aus. Nach ein paar Tests zur Modulationseinstellung
funktionierte das Gerät zur vollen Zufriedenheit.
Die Teilnehmer hatten
für den Bausatz 290 € und als Verpflegungspauschale
20 € gezahlt, wobei der DARC das Projekt finanziell
unterstützt hatte. Simone hat bereits so viel Anmeldungen
für weitere Wochenendseminare für dieses
Gerät, dass die 130 Stück vorbereiteter
Bausätze nicht einmal ausreichen. Bereits zwanzig OMs stehen
auf der Warteliste.
Das ist echter Amateurfunk:
Basteln (bauen, löten) in Gemeinschaftsarbeit. Mir hat es sehr
viel Spaß gemacht. Wenn es möglich wäre,
würde in jedem Jahr an einem solchen Seminar teilnehmen. Viele
OMs wären bereit, dafür einen gar nicht einmal so
geringen Obolus zu investieren. Mit einem selbst gebauten
Funkgerät macht der Funkbetrieb viel mehr Spaß. Ganz
und gar Geräte selbst entwickeln und bauen kann eigentlich
heute kein „normaler“ Funkamateur mehr, wenn er
nicht beruflich damit zu tun hat. So aber spürt man wieder
etwas von dem Gefühl von Selbstbaugeräten, mit denen
man dann Funkbetrieb durchführt, so wie wir es vor 40 Jahren
machten beziehungsweise machen mussten, da es damals noch keine
kommerziellen Funkgeräte zu kaufen gab.
Vielen Dank Günther
DF5FC, Michael DJ5KP, Simone DJ2KS, Till DL9JT, Gunter DL3ABQ, Wolfgang
DG3KCR und Cornelius DO1OCB!
Eckart K. W. Moltrecht, DJ4UF


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