Webmaster: Eckart K. W. Moltrecht

Soundmodem
unter DOS

Eckart K. W. Moltrecht
DJ4UF

Eckarts Lehrstunde aus funk 8/1999

Thema: Packet Radio mit der Soundkarte unter DOS

Immer mehr Hardware wird durch Software ersetzt. Da sich die Soundkarte eines Computers hervorragend als DSP-Controller (DSP =digital signal processing) verwenden lässt, gibt es immer mehr Programme, mit denen man Amateurfunk-Sonderbetriebsarten durchführen kann. In der letzten Lehrstunde hatte ich PSK31 beschrieben. Diesmal ist es Packet Radio.

Tom Sailer, HB9JNX hat bereits 1997 Treiberprogramme entwickelt, mit denen man mit einer handelsüblichen Soundkarte unter FlexNet Packet Radio betreiben kann. Man benötigt kein Modem mehr und auch kein TNC. Lediglich eine kleine Elektronikschaltung wird benötigt, mit der man die PTT des Transceivers steuern kann. Eine Schaltung für die serielle Schnittstelle ist im Bild 4 wiedergegeben.

Allerdings ist die Installation der diversen Treiber nicht ganz einfach. Ich beschreibe hier, wie ich glaube, dass man am schnellsten zum Ziel kommt. Wer diese Anleitung nachvollziehen möchte, sollte allerdings in der Lage sein, eine Batch-Datei mit einem Editor zu bearbeiten. So können Sie vorgehen.

 

Zunächst holen Sie sich aus der Packet Radio Mailbox die komplette Datei mit allen Treibern. Sie finden diese entweder in der Rubrik Software oder unter FlexNet. Das Stichwort ist SoundCard Modem oder die Abkürzung SM. Suchen Sie eventuell unter HB9JNX. Im März hatte DO1FBG die Treiber nochmals eingespielt. Im Internet finden Sie Informationen dazu auf der Homepage von Tom Sailer, HB9JNX. Oder Sie bestellen bei mir die Sammeldiskette A50 SoundCard Modem (siehe Schluss dieser Lehrstunde).

Wenn Sie die Treiber aus dem Internet oder über Packet Radio erhalten haben, entpacken Sie die ZIP-Datei. Daraus entstehen mehr als 20 Einzeldateien. Auf der Sammeldiskette sind diese schon entpackt. Nun lesen Sie einmal die FlexNet Dokumentation SM.DOC. Wenn Sie nur einmal den Empfang ausprobieren wollen, folgen Sie den weiteren Schritten hier.

Zunächst basteln Sie sich eine Verbindung vom Lautsprecherausgang Ihres Transceivers zum Mikrofon- oder Line-Eingang Ihrer Soundkarte. Bei einer Stereo-Soundkarte sollten dann beide Kanäle mit dem Lautsprecherausgang verbunden sein. Wenn Sie dieses Kabel in den Line-Eingang des Computers einstecken und unter Windows den Line-Eingang aktivieren, müssten Sie die Signale des Transceivers in den Computer-Lautsprechern hören. Klicken Sie doppelt auf das Lautsprechersymbol rechts unten bei Windows 95 / 98 und stellen Sie volle Lautstärke ein für Line-In. Die Lautstärke passen Sie dann am Empfänger an.

Nun können Sie einfach mal einen ersten Versuch machen und die vorgegebene Batchdatei starten. Möglicherweise haben Sie einen Lottogewinn gezogeund das Programm läuft auf Anhieb. Von fünf OMs aus unserem OV war es bei einem der Fall. Er konnte Packet-Signale empfangen. Die anderen vier - auch ich - mussten viel experimentieren, bis alles lief.

a) Dazu müssen Sie aber unbedingt ins reine DOS wechseln. Die Treiber laufen so noch nicht nicht im DOS-Fenster und bei zwei OMs auch nicht in dem Modus "Computer im MS-DOS-Modus starten". Die zwei OMs mussten Ihren Computer beim Booten mit der F8-Taste unterbrechen und dann "MS-DOS Eingabeaufforderung" wählen. Dabei sollte aber der deutsche Tastaturtreiber (keyb gr) geladen sein und die Maus aktiviert werden.

b) Wechseln Sie mit DOS-Befehlen (CD) in das Verzeichnis, wo Sie die SoundCard Modem Treiber gespeichert haben und starten Sie einfach mal die Datei mit den drei Ausrufezeichen BAT. Wahrscheinlich wird aber der Ablauf unterbrochen mit der Meldung "Removing FlexNet modules ... OK" oder ähnlich (Bild 1).

Erste Fehlermeldung

Bild 1: Erste Fehlermeldung

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c) Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass keine solche Fehlermeldung kommt, dann starten Sie ein reines DOS-Packet-Programm wie zum Beispiel Graphic Packet 1.61 oder TOP oder andere. Wenn Sie den Empfänger auf einer 1K2-Packet Radio Frequenz eingeschaltet haben, könnten Sie eventuell schon Packet-Signale im Monitorfenster sehen.

Der wahrscheinlichere Fall ist eine Fehlermeldung wie im Bild 1. Nun beginnt die Fehlersuche. Dabei ist es nicht einmal ein richtiger Fehler. Da es aber eine Reihe verschiedener Soundkarten gibt, die alle mit verschiedenen Befehlen angesprochen werden, wird das Programm schon aussteigen, wenn ein einziger Befehl nicht richtig verstanden wurde. Jetzt müssen Versuche gemacht werden mit der Soundkarte.

Prinzipiell müssen für diese Art von Packet Radio sieben Treiber geladen werden. Zunächst wird das FlexNet Kernel Modul (FLEXNET) geladen. Siehe hierzu Bild 2! Dann wird der SoundBlaster-Treiber geladen, der die PTT steuern soll (SMSBC), wobei die Art der Schnittstelle (COM, LPT oder MIDI usw.) angegeben werden muss (5. Zeile in Bild 2). Dann wird der FlexNet Kernel aktiviert (FLEX). Danach wird das Modem Programm für 1200 Baud oder für 9600 Baud (SMAFSK12 oder SMAFSK96) geladen. Danach wird der Modus (Baudrate) eingestellt (FSET MODE). Nun wird der Soundkarten Mixer auf die richtige Lautstärke eingestellt (SMMIXER). Schließlich wird ein TNC-Emulator (TFEMU) geladen.

Bild 2: Die Batchdatei von HB9JNX

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So viele Treiber kann man schlecht einzeln "von Hand" laden. Deshalb schreibt man die Befehle (Programme mit Parametern) in eine Datei, die man Batchdatei nennt (Bild 2). Der Computer arbeitet diese Befehle dann einzeln nacheinander ab. Tom Sailer liefert eine solche Batchdatei mit (!!!.BAT). Nach jedem Befehl wird der Computer gefragt, ob ein Fehler aufgetreten ist. In solch einem Fall wird der FlexNet Treiber wieder aus dem Speicher entfernt (FLEX /u = unload FlexNet). Sollte kein Fehler vorkommen, wird mit GOTO dieser Befehl übersprungen. Nun kann ein DOS-Packet-Programm gestartet werden.

Anstatt ein DOS-Programm zu starten, sollte man zunächst besser das mitgelieferte Diagnoseprogramm aufrufen mit SMDIAG. Schalten Sie mit "1" den Empfang aktiv und mit "4" die DCD aus (OFF). Man sieht dann Schwingungen in dem rechteckigen Fenster, wenn Signale empfangen werden und alles richtig funktioniert. Ansonsten bleibt eine rote Linie auf schwarzem Grund.

Wenn grüne Signale zu sehen sind, dreht man am Lautstärkeregler soweit auf, dass die Schwingungen etwa dreiviertel der Höhe als Maximalwert erreichen. Dann kann man SHOW aufrufen. Dies ist ein kleines Packet Radio Empfangsprogramm. Man kann dort Texte in einem Monitorfenster mitlesen.

Wahrscheinlich aber wird dies nicht sofort funktionieren. Um den Fehler einzugrenzen, kann man folgendes tun und nach jedem Befehl in der Batchdatei eine Pause (pause in Bild 3) einbauen. Dann kann man in aller Ruhe die eventuelle Fehlermeldung lesen und durch Drücken einer Taste den nächsten Befehl abarbeiten lassen. Ich habe diese geänderte Batchdatei (ohne Kommentare) in Bild 3 wiedergegeben. Zusätzlich habe ich die beiden Programme SMDIAG und SHOW mit eingebaut. Wenn alles funktioniert, kann man auch das gewünschte Packet-Programm starten, indem man das "rem" weglässt. Hier müssen Sie natürlich Pfad und Programm Ihres Computers angeben.

Bild 3: Batchdatei mit Pausen zur Fehlereingrenzung

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Wenn man die Stelle eingekreist hat, wo der Ablauf "hakt", kann man die nicht mehr benötigten Pausen weglassen und sich nur noch um die Fehlerstelle kümmern. Wahrscheinlich ist es die Soundkarte selbst - der SMMIXER also. Hierzu müssen Sie die Datei SM.DOC von HB9JNX, Abschnitt SMMIXER.EXE lesen. Tom Sailer beschreibt dort die unterschiedlichen Parameter für die wichtigsten Soundkarten. Bei meiner Laptop-Soundkarte (CT1345 - Soundblaster Pro) beispielsweise gibt es keinen Input-Parameter (i-Befehl). Ich musste diesen weglassen, da sonst das Programm mit einer Fehlermeldung abgebrochen wurde. Lange experimentiert habe ich mit der Signalquelle. Ich musste jedenfalls mit Hilfe des /s-Parameters "line", den Line-Eingang aktivieren, da der Mikrofoneingang immer übersteuert war.

Wenn mit Hilfe des Diagnoseprogramms SMDIAG einfach kein Signal auf den Bildschirm kommt, obwohl die NF-Leitung bei Windows funktioniert, probieren Sie einmal folgenden "Trick". Schreiben Sie vor den Soundmixer (SMMIXER) überall ein "rem" vor, so dass dieser nicht mehr gestartet wird. Gehen Sie dann nach Windows und stellen alle Regler (Line-In und Mikrofon) auf volle Lautstärke. Fahren Sie Windows herunter und booten Sie unter DOS. Die Soundkarte bleibt von Windows aus so eingestellt. Dann lassen Sie die Batchdatei ohne SMMIXER laufen. In diesem Fall hatte ich den ersten Erfolg, dass ich endlich Signale mit SMDIAG sehen konnte.

Wenn Sie soweit gekommen sind und bei SHOW werden keine empfangenen Pakete angezeigt, kann es am Empfänger liegen. Wir haben festgestellt, dass man besonders bei Mehrband-Transceivern Schwierigkeiten bekommt, wenn beide Empfangssignale auf einen Lautsprecherausgang gehen. Probieren Sie zunächst einmal mit einem einfachen Einband-Transceiver. Stellen Sie den Mehrband-Transceiver auf jeden Fall so ein, dass nur das 70-cm-Signal aus dem Lautsprecherausgang kommt.

Nun wird es etwas knapp mit dem Platz in meiner Lehrstunde. Sollte bis hierhin alles funktionieren, brauchen Sie noch eine Verbindung von der Soundkarte (Lautsprecherausgang) zum Transceiver (Mikrofoneingang) und eine PTT-Leitung. Hier gelten die Beschreibungen aus der vorigen Lehrstunde zu PSK31.

Die PTT-Schaltung

Bild 4: Die PTT-Schaltung von HB9JNX

 

© 1999 Eckart K. W. Moltrecht, DJ4UF


Wenn Sie Fragen haben zum Programm, wenden Sie sich in diesem Fall bitte an Tom Sailer, HB9JNX, Weinbergstr. 76, CH-8408 Winterthur, Packet: HB9JNX @ HB9W.CHE.EU, eMail: sailer@ife.ee.ethz.ch (Adresse 1999!)

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