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Für Amateurfunk-Info abgeänderte Eckarts Lehrstunde aus Funk 07/2001
Fünf Pactorprogramme
kurz vorgestellt
RCKRtty (außer Konkurrenz)
Im Heft 7 der FUNK 2001 hatte ich die fünf Pactorprogramme
miteinander verglichen. Inzwischen gibt es von allen fünf Programmen
neuere Versionen und der Vergleich stimmt nicht mehr. Deshalb habe ich den
Text gekürzt und größtenteils nur noch die allgemeine Beschreibung hier
auf der Homepage stehen gelassen.

Beginnen wir mit dem Standardprogramm, das von den Mitarbeitern vom PTC-Hersteller SCS
[1] beim Kauf mit geliefert wird. Plusterm (oder PTPRO) ist ein reines DOS-Programm, das
aber auch mit Fenstertechnik arbeitet. Es unterstützt alle Betriebsarten und ist das
zuverlässigste Programm, das bei unseren Versuchen keinerlei Fehler verursachte. Immer,
wenn eines der anderen Programme irgend welche Parameter verstellt hatte, nutzten wir
Plusterm, um alles wieder in Ordnung zu bringen. Außerdem kann Plusterm in Zusammenarbeit
mit dem PTC-II aus dem Programm das Update der Firmware durchführen. Allerdings gab es
Probleme bei der Dateiübertragung bei Plusterm im DOS-Fenster. Plusterm diente uns als
Vergleich, wenn wir die anderen Programme testeten.
Leider kann man Plusterm ab Windows ME kaum mehr gebrauchen. Windows ME lässt eine
Schnittstellensteuerung über ein DOS-Programm normalerweise nicht mehr zu. Außerdem kann
man bei Windows ME nicht mehr in den DOS-Modus schalten.
Tipp: Für andere Windows ME Geschädigte soll hier direkt am Anfang eine Möglichkeit
vorgestellt werden, die Hermann, DJ8TL aus Aachen herausgefunden hat. Den Betrieb der
seriellen Schnittstelle mit dem Programm Plusterm konnte er dadurch erreichen, dass er
zunächst Plusterm startete, dann von dort über "Files - external
DOS-Programms" den DOS-Editor "edit.com" oder den Norton Commander
startete, und danach das DOS-Programm wieder verließ und siehe da: Jetzt lief die
serielle Schnittstelle und Pactorbetrieb im DOS-Fenster von Windows ME wurde möglich.
Dass Plusterm ein reines DOS-Programm ist, merkt man leider auch bei
Dateiübertragungen im DOS-Fenster unter Windows, die ab 12 KB nicht mehr richtig
funktioniert. Die Datei wird einfach unvollständig übertragen. Hartmut, DK3OZ hat
folgendes heraus gefunden. Wenn eine Datei größer ist als 12 KB beziehungsweise
12k mal 1024
gleich 12288 Bytes (Puffer beim MAX-207 im PTC-II), dann läuft der Puffer über, die
ersten 12 KB werden herausgeworfen und nur der Rest bleibt im Puffer, der dann nur
übertragen wird.
Im reinen DOS-Modus funktioniert die Dateiübertragung mit Plusterm einwandfrei mit
beliebig langen Texten. Einen Trick hat Hartmut noch heraus gefunden. Wenn man die lange
Datei zunächst in der PTC-Box ablegt und dann von dort aus sendet, darf die Datei
wiederum beliebig lang sein. Allerdings ist der Speicher der PTC-Box seinerseits begrenzt.

Roel, PA0NC schreibt in der Einleitung der Hilfe zu seinem Programm: "NcWinPTC ist
ein Terminalprogramm speziell und nur für die SCS Multimode Controller. Das Programm
arbeitet mit allen Modi, die auf einem bestimmten PTC verfügbar sind. Der Packetteil ist
sehr einfach gehalten. Ich hatte nicht die Absicht, ein Packetprogramm zu erstellen, das
alle Funktionen erfüllt, wie 7plus- und Yapp-Dateien senden und so weiter. Das Programm
würde zu umfangreich werden und es gibt schon eine große Zahl guter Packet Programme.
Das Programm ist unter DELPHI 3 programmiert. Es läuft nicht unter Windows 3.1."
Wir holten uns die aktuelle Version 6.09 von der Homepage von PA0NC [2], entpackten die
ZIP-Dateien (für Sprachenunterstützung deutsch die Datei "help_de.zip" nicht
vergessen!) und installierten das Programm. Es war sehr einfach und funktionierte nach
Einstellung der Schnittstelle und Baudrate und Eingabe des eigenen Rufzeichens sofort.
Allerdings sollte man als erstes einen RESTART des PTC-II durchführen und das Programm
neu starten, weil sonst möglicherweise der BREAK-IN nicht funktioniert, wenn man vorher
ein anderes Programm benutzt hat und dieses einen anderen "BK-Character"
verwendet.
Die Oberfläche des Programms wirkt sehr aufgeräumt und übersichtlich. Wenn man eine
Registerkarte der gewünschten Betriebsart aufruft, erhält man darunter sofort die für
diese Betriebsart gültigen Befehle. Wunderbar ist die Unterstützung für Packet, für
PSK31, für NAVTEX und so weiter. Es machte Spaß, praktisch ohne Lesen des Handbuches
sofort alle Betriebsarten einmal ausprobieren zu können. Die Transceiver-Steuerung (CAT)
durch Eingabe einer Frequenz im Connectfenster ist sehr intelligent gelöst. Die
Prozessorauslastung ist mit 30 Prozent sehr gering.
Gibt es denn auch Nachteile von NcWinPTC? Leider ja. Denn die Binärfileübertragung
für den PTC-II wird nicht unterstützt. Wenn einer von uns in Urlaub ist, möchte er dem
anderen gern Bilddateien im Binärformat schicken. Das funktioniert leider nicht mit
NcWinPTC. Ein zweiter Nachteil stellte sich beim neuen Notebook Computer von Hartmut
heraus. Wenn Daten über die Schnittstelle laufen - beispielsweise beim Monitorbetrieb
unter Packet Radio - verschwindet der Mauszeiger, wenn er über dem Programmfenster ist.
Diesen Fehler hatte auch unser Freund Paul, DL8BAN aus Lingen mit seinem Notebook
festgestellt. Bei meinem Notebook und auch beim großen PC allerdings tritt dieser Fehler
nicht auf. Durch das Verschwinden des Mauszeigers ist die Bedienung mit der Maus fast
unmöglich. Schade! Denn von der Übersichtlichkeit her ist es das beste Programm.
Nachtrag 25.7.01:
Inzwischen gibt es die Version 10.01, das Mauszeigerproblem ist bei DK3OZ
unter Windows ME geblieben. Bei mir mit Windows 98 tritt der Fehler nicht
auf. Weiterer Hinweis: Ein Hostemodeprogramm für Pactor + Packet ist in
Arbeit.

Eike, DF7KX aus Aachen-Brand, viel mit seinem Reisemobil und Pactor unterwegs, empfahl
uns Simple von Paul Harrison, DJ0CU. Dieses Programm holten wir uns in der neuesten
Version von der SCS-Homepage [1]. Die Installation war einfach und das Programm lief auch
bald, als wir die leider nur englische Anleitung gelesen und Schnittstelle, Baudrate und
Rufzeichen eingestellt hatten. Zunächst mussten wir viel suchen, um die wichtigsten
Funktionen ausführen zu können. Die Betriebsarten sind in bunten, nicht sehr
aussagekräftigen Buttons auf der gesamten Oberfläche verteilt, Pactor und Amtor oben
links, RTTY und CW oben rechts, PSK31 in der mittleren Leiste. Unter "Hello"
verbirgt sich der Connect-Button und der Schlüssel dient zur Auslösung des Changeover.
Selbst jetzt nach einer Woche Testerfahrung muss ich noch viel suchen. Auch die Menüs
sind nicht sehr logisch aufgeteilt.
Im normalen QSO-Betrieb bemerkte ich den ersten gravierenden Nachteil des Programms
gegenüber allen anderen. Der gesendete Text wird als "Echo" im Empfangsfenster
angezeigt, was auch sehr sinnvoll ist und auch bei anderen Programmen so eingestellt
werden kann, aber die Schriftfarben des Echotextes und des empfangenen Textes sind gleich
und man hat beim Nachlesen von zügig übertragenem Text große Schwierigkeiten, den
jeweiligen Anfang zu finden.
Im normalen QSO-Betrieb trat durch die mit Simple arbeitende Empfangsstation dann ein
Fehler auf, den wir nicht abstellen konnten. Wenn man die Gegenstation, die Simple gerade
eingeschaltet hat, connectet und dann mit den "Remotebefehlen"
(Doppelstrichbetrieb) dem OM etwas in seine Box schreiben will, kam nach Eingabe des
WRITE-Befehls mit Call und Titel nicht die erwartete Meldung "Enter text for
...", sondern man bekam mit einem von der Empfangsstation ausgelösten Changeover
sofort die Tasten zurück. Wenn man dann von der Senderseite wieder einen Changeover
auslöste, kam endlich der erwartete Text. Nun dachte man, der Text könne endlich
eingegeben werden und wie gewünscht mit "nnnn" abgeschlossen werden. Dann kam
aber die Meldung "File empty, not saved", also alles umsonst!
(Dieser Fehler soll in der neuesten Version nicht mehr vorhanden sein.)
Ein weiterer Nachteil von Simple gegenüber den anderen Programmen ist, dass es
keinerlei Packetunterstützung vom Programm gibt. Diese Betriebsart ist nicht vorgesehen.
Denn gern schaue ich auch mal in die Packetbox, wenn ich schon ein Programm für
Datenübertragung eingeschaltet habe. Da die Packet-Controller beim PTC-II eingebaut sind
und über die gleiche Schnittstelle angesprochen werden, muss man für einen Packetbetrieb
das Pactorprogramm schließen, wenn man ein anderes Packetprogramm öffnen will. Dafür
ist es sinnvoll, wenn eine Packetunterstützung bereits in einem Pactorprogramm existiert.
Wer sich mit den Terminalbefehlen im Kommandomodus auskennt, kann Packet unter Simple
dennoch aktivieren, wenn man zunächst den Befehl PAC, dann PORT 1 oder 2, dann S 1 (Kanal
1) eingibt und dann einen Connect auslöst. Den "Monitorbetrieb" sollte man
vorher noch ausschalten mit MON 0, sonst werden die Monitordaten mit den Empfangsdaten im
gleichen Fenster durcheinander ausgegeben und man kann den Empfangstext nicht vernünftig
lesen.
Die Binärdateiübertragung funktioniert bei Simple grundsätzlich, jedoch fehlerhaft,
wenn die Dateien größer als ein paar Kilobyte werden. Immer wieder kam die Meldung
"CRC not ok" und die Datei musste erneut komplett übertragen werden. Spätere
Versuche mit Plusterm und mit Airmail waren dabei im Vergleich viel erfolgreicher. Immer
beim ersten Mal war die Übertragung auch langer Binärdateien korrekt.
Weil Simple ein 16-Bit-Programm ist, werden keine langen Dateinamen zugelassen. Dadurch
wurde für uns die Dateiübertragung zusätzlich erschwert, weil wir uns daran gewöhnt
haben, unter Windows und auch unter Linux Dateien mit langen Dateinamen zu versehen, die
dann aber wegen der "Verstümmelung" auf die ersten sechs Zeichen schlecht zu
finden sind.
Einen weiteren Nachteil gegenüber allen anderen getesteten Programmen stellten wir
fest. Obwohl eine maximale Baudrate von 38400 Baud einstellbar sein sollte - so wird es im
Menü vorgegeben - konnten wir nur 19200 Baud aktivieren. Dies hat zur Folge, dass die
Initialisierung bei Abarbeitung der vielen Zusatzbefehle für den Gatewaybetrieb und
anderes sehr lange dauert. Bei Alpha dauert die Initialisierung genau so lange, aber Alpha
arbeitet mit maximalen 57600 Baud, also dreimal so schnell. Diese
Übertragungsgeschwindigkeit macht sich auch beim Lesen von langen Files aus der Pactorbox
in gleichem Maße bemerkbar. Simple ist also nicht gerade "erste Wahl" für uns,
obwohl es eine sehr geringe Prozessorauslastung bewirkt. Also testen wir weiter.

Seit 1999 hat Benny Hinz, DH7RG, ein Pactorprogramm in der Entwicklung, das Anfang des
Jahres die Entwicklungsversionsnummer 0.99 überschritten hatte und im Mai 2001 die
Versionsnummer 1.1b trug. Benny hat die User an der Entwicklung des Programms beteiligt,
denn immer wieder hat er die neueste Version auf seiner Homepage [3] zur Verfügung
gestellt und war sehr aufgeschlossen gegenüber Verbesserungsvorschlägen. Vorweg gesagt:
Dieses Programm haben wir inzwischen zu unserem Favoriten erklärt.
Alpha bietet nicht nur fast alle Funktionen, die Plusterm kann, beispielsweise
außer Pactor 3 auch RTTY, PSK31, CW sowie volle
Packet Radio Unterstützung, CAT-Schnittstelle, Firmwareupdate und so
weiter. Die Bedienung des Programms ist sehr übersichtlich und dadurch einfach, dass man
kein Handbuch neben dem Computer benötigt. Alpha ist nicht nur gut, sondern
auch schön. Es ist eigentlich nun in der neuen Version 1.8 perfekt. Sehr
empfehlenswert!
Hier geht's zum Download

Wenn man als Mobilist oder Segler an dem weltweiten Winlink-2000-System zur
Übermittlung von E-Mails über Amateurfunk teilnehmen möchte, kommt man an
AirMail nicht
vorbei. AirMail ist ein amerikanisches Programm. Es gibt nur eine englischsprachige Hilfe. Es ist
für den BBS-Betrieb, also den Betrieb mit Pactor-Mailboxen Winlink-2000 konzipiert und
arbeitet dann praktisch wie ein normales E-Mailprogramm, beispielsweise wie Outlook. Man
schreibt seine Mails vor, markiert diese zum Senden, connectet eine Winlinkstation und
dann werden die Mails automatisch ausgetauscht wie im Internet. Sobald der Mailaustausch
beendet ist, wird disconnectet.
Allerdings kann man auch "normalen" Pactorbetrieb machen, indem man den Modus
auf "keyboard mode" stellt. Reicht Airmail nicht auch für den Pactorbetrieb
unterwegs zum Auslesen der Box in der Heimat oder Gateway-Betrieb von Südeuropa in das
deutsche Packet Radio Netz? Genau dafür reicht es.
Sehr gut funktioniert die Binärdateiübertragung zwischen unseren PTC-II
Stationen (auch Pactor-3), wenn wir beide AirMail verwenden und das Terminal aktiviert haben. Man hängt
die Bilddatei einfach als "Attachment" dem Brief an und gibt als Empfänger der
Mail das Rufzeichen der Gegenstation ein. Wenn also beide Stationen den PTC-II verwenden
und unter "Tools - Options - Settings" den "Binary Level 2" aktiviert
haben, geht die Binärdateiübertragung mit Airmail einwandfrei und recht schnell, weil
noch ein zusätzliches Komprimierungsverfahren verwendet wird.
Mehr zu AirMail hier auf meiner Homepage:

Inzwischen gibt es die Version 3.0 (Januar 2002). In dieser Version wird
Packet Radio unterstützt (Gateway möglich) und die Schriftart wird
automatisch zwischen ISO und ANSI umgeschaltet, wenn man entweder
E-Mail-Betrieb macht oder Pactor-Direktbetrieb. Die Version 3.0.870 (Juni
2002) bietet volle Pactor-3-Unterstützung.
Außer Konkurrenz testeten wir noch das Funkfernschreibprogramm RCKRtty von Walter
Dallmeier, DL4RCK, das auch Pactorunterstützung bietet, allerdings gekauft werden muss
und in der Standardversion zirka 50 DM kostet. Eine Demoversion findet man im Internet
unter [4]. Die neueste Demoversion vom April 2001 haben wir uns von Walters Homepage
herunter geladen und installiert. Die Installation ist einfach. Das Einrichten des
Programms für die entsprechende Schnittstelle geht auch problemlos. Nach dem Start
meldete RCKRtty, dass noch 48 Starts frei wären, dann muss man das Programm registrieren
(kaufen).
Nach etlichen Änderungen im Setup waren wir schnell auf 25 Starts gekommen, so dass
also noch weitere 25 Versuche übrig blieben für den Test. Dabei stellten wir folgendes
fest. Das Programm ist eigentlich mehr ein RTTY-Programm zum normalen QSO-Betrieb, nicht
so sehr für den Boxbetrieb, wie wir ihn machen, geeignet. Für Contestbetrieb muss man
dann noch für weitere 30 DM das Contestzubehör kaufen. Weder Textdatei- noch
Binärdateiübertragung sind möglich. Eine Umschaltung im Programm von Pactor zu Packet
unter dem PTC-II wird nicht unterstützt. Packetbetrieb geht bei RCKRtty nur gleichzeitig,
wenn der Packetcontroller (TNC) an einer anderen Schnittstelle angeschlossen ist, was beim
PTC-II nicht geht und wegen der einzigen seriellen Schnittstelle am Notebook auch nicht
möglich ist. Hiermit haben wir den Test mit RCKRtty beendet und keine weiteren Versuche
durchgeführt.
URLs aus dem Bericht von 2001. Diese werden wohl größtenteils nicht
mehr funktionieren:
© 2001/2002 Eckart K. W. Moltrecht, DJ4UF

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