Webmaster: Eckart K. W. Moltrecht

PACTOR 3
Versuche

Eckart K. W. Moltrecht
DJ4UF

Datenübertragung auf Kurzwelle wird schneller

Pactor III ist nicht etwa eine neue Version eines Programms, sondern ein wesentlich verbessertes Übertragungsverfahren für Kurzwelle. Die FUNK durfte bei den letzten Betatests mitwirken. DJ4UF und EA5/DK3OZ bekamen eine Testgenehmigung von SCS. Über die ersten Versuche soll hier berichtet werden.

Die Pactor III Station von DJ4UF

Bild 1: Die Pactor III Station von DJ4UF mit YAESU Transceiver FT-847, Pactor Controller PTC-II, Gateway mit Hilfe des Kenwood TM-V7 und dem im PTC-II eingebauten Packetmodem

Pactor ist grundsätzlich ein digitales Funkfernschreibverfahren, wobei auch binäre Dateien übertragen werden können. Es arbeitet mit Tönen, die in der Phase umgetastet werden. Man nennt es "Phase Shift Keying" (PSK). Dabei wird ein aufwendiges Online Fehlerkorrektur- verfahren angewendet. Zum normalen Schreiben war das bisherige Pactor Level II schnell genug, aber die Dateiübertragung war doch recht langsam und vergleichbar eventuell mit der Übertragungsgeschwindigkeit bei Packet Radio in 1K2.

Pactor III ist schnell

Als ich als frisch gebackener Pensionär mit meinem Reisemobil längere Zeit in Spanien unterwegs war und über Packet Radio den Kontakt mit Deutschland aufrecht erhalten konnte, war der Nachrichtenaustausch mit Pactor II von normalen Texten gar kein Problem. Man konnte kaum so schnell schreiben, wie die Texte übertragen wurden, wenn die Verbindung gut war.

Unterwegs hatte ich keine Internetanbindung und wir begannen, auch Programme über Pactor zu übertragen. Es funktionierte grundsätzlich. Die Dateiübertragung war doch sehr langwierig. Das Programm AirMail in der neuesten Version mit seinen 1,2 MB (gepackt), benötigte beispielsweise 21 Zeitstunden. Das ging nicht in einem "Rutsch". Wir verwendeten das Programm AirMail in der älteren Version selbst. AirMail merkt sich, bis zu welchem Byte die Übertragung noch in Ordnung war, wenn die Funkbedingungen nicht mehr so gut sind und die Übertragung unterbrochen wird. An den folgenden Tag konnten wir die Übertragung "lückenlos" fortsetzen. Mehr zu AirMail finden Sie auf meiner Homepage [hier].

Pactor III soll bis zu fünfmal schneller sein. Wir waren gespannt, wie viel es nun in der Praxis wirklich bringt. Wir konnten es real testen, da Hartmut, EA5/DK3OZ gerade mobil unterwegs in Spanien war und ich zuhause in Deutschland. Es musste also mit Mobilantenne und Leistungen von 10 bis 50 Watt noch etwas bringen, damit sich ein Umstieg lohnt. Vorweg: Bei mäßigen Bedingungen ging es dreimal so schnell und dauerte "nur" noch sechseinhalb Stunden. Bei guten Bedingungen haben wir es wiederholt. Es ging mit Pactor III in Level 4 in 3 Stunden 40 Minuten. Das ist doch schon etwas! Aber nun der Reihe nach!

Beginn der Versuche

Die Betaversion zum Testen bekam ich als 170-KB-Datei per E-Mail von SCS. Hartmut schicke ich sie über AirMail noch in Pactor II nach Spanien. Diese Datei muss man mit einem Hilfsprogramm in den Pactor-2-Controller (PTC-II) als sogenannte Firmware einladen. Seit 1. Mai gibt es die fertige Version 3.2 auf der Homepage von SCS [1] im Internet und das zugehörige Handbuch als PDF-Datei. Die Datei, die Sie dafür brauchen, ist abhängig vom Gerätetyp, profi32-pt2.zip für den PTC-II, profi32-pte.zip für den PTC-IIe oder profi3-pro.zipfür den PTC-IIpro. Wenn Sie sich die Testversion für 20 mögliche Connects geholt haben und in den PTC-II einladen wollen, verwenden Sie für das Update des Controllers am einfachsten eines der normalen Pactorprogramme, die ein Firmware Update unterstützen.

Das Erneuern der PTC-Firmware

Bild 2: Das Erneuern der PTC-Firmware mit Hilfe von dem Pactorprogramm Alpha

Ich habe für das Update das Programm Alpha verwendet. Dort gibt es unter dem Menüpunkt "Extras" den Unterpunkt Firmwareupdate. Wenn Sie diesen Unterpunkt gewählt haben, wird angezeigt, dass die Datei und auch die Firmware noch unbekannt sind. Drücken Sie auf Start und wählen Sie in dem darauf folgenden Fenster die entsprechende PT2-Datei mit der neuen Firmware aus (Bild 1). Nach einem Warnhinweis, dass nun auch die Box im PTC-II komplett gelöscht wird, geht der weitere Vorgang des Updates von ganz allein. Sie brauchen nichts zu tun, als das "loading..." zu beobachten und auf das STBY oder Autobaud des PTC-II zu warten. Nachdem die Firmware installiert wurde, starten Sie Ihr Pactorprogramm und stellen unbedingt noch den "Tonparameter" (Tones) anders ein, damit Pactor III überhaupt laufen kann (Mehr zu den Tönen weiter unten). Prüfen Sie im Kommandomodus den Parameter TO! Er wird standardmäßig auf 0 stehen. Stellen Sie diesen Wert auf 4, also geben Sie im Kommandomodus (cmd:) "TO 4" ein.

Nun haben Sie 20 Connects frei. Der eingebaute Zähler wird aber auch herunter gezählt, wenn Sie Pactor-2-Connects machen. Wenn Sie wirklich die überraschend starke Geschwindigkeits- verbesserung einmal testen wollen, connecten Sie zunächst nur eine der folgenden Pactor-3-Versuchsstationen DL1ZAM auf 3592,0 kHz, DL2FAK auf 14106,0 kHz (siehe Bild 1) oder auf 14109,0 kHz oder F6HQZ auf 14106,0 kHz. Dabei wird genau die Frequenz in SSB eingestellt. Die verwendeten Töne werden von dort im oberen Seitenband (USB) aufmoduliert.

Wenn Sie sich dann überlegt haben, die professionelle Software zu kaufen, lassen Sie sich einen Registrierungsschlüssel von SCS schicken. Dieser wird mit dem Befehl LICENSE in den PTC geladen. Dann stoppt das Herunterzählen des Zählers. Wenn Sie mit zwanzig Versuchen Ihre Tests nicht beenden konnten, haben Sie keine Chance mehr, das Programm weiter zu nutzen. Der Sendebetrieb funktioniert nicht mehr, auch nicht in Pactor II. Der PTC-II meldet: "Evaluation Period Expired - TX disabled". Sie müssen die alte Firmware wieder installieren. Eine erneute Installation setzt den Zähler auch nicht wieder hoch auf 20. Der Zähler ist wohl irgendwo im BIOS des PTC-II abgelegt und kann nicht durch Updates der Firmware zurück gesetzt werden. Martin, DL1ZAM von SCS sagt dazu, dass diese Firmware für den professionellen Einsatz und nicht für Funkamateure entwickelt wurde und eben seinen Preis hat. Sie wird für 149 Dollar verkauft, das sind in Deutschland inklusive Mehrwertsteuer stolze 198 Euro.

Die Übertragungsversuche

Wenn Sie wirklich die Geschwindigkeitsverbesserung testen wollen, lesen Sie einmal bei DL1ZAM im Verzeichnis Tests eine große Datei aus. Gut ist es, wenn sie zum Vergleich dieselbe Datei bei gleichen Ausbreitungsverhältnissen in Pactor II auslesen können. Das ist nicht so einfach, denn die Ausbreitungsbedingungen können innerhalb der Übertragungszeit schon stark wechseln. Ich habe mit EA5/DK3OZ diese Versuche gemacht und in der Tabelle 1 die Ergebnisse zusammengestellt. Die Übertragung haben wir jeweils mehrfach wiederholt und dann den jeweils günstigsten Wert in die Tabelle eingetragen. Störungsbedingt traten manchmal Übertragungsfehler auf, wodurch die Übertragungszeit sich deutlich verlängerte.

Dateigröße  Signalstärke  Pactorlevel  Speedlevel  Übertragungszeit
8400 Byte S 1-2 Pactor II DBPSK/DQ 10:10 min
8400 Byte S 4 Pactor II HiSpeed 2:50 min
8400 Byte S 7 Pactor II MaxSpeed 2:20 min
8400 Byte S 1-2 Pactor III Level 1-2 4:40 min
8400 Byte S 4-5 Pactor III Level 4 0:40 min
8400 Byte S 7-8 Pactor III Level 5  0:25 min
17300 Byte S 7-8 Pactor II MaxSpeed 4:30 min
17300 Byte S 8 Pactor III Level 4-5 0:55 min
17300 Byte S 4  Pactor III Level 3-4 2:20 min
17300 Byte S 6-7 Pactor III Level 4-5 1:20 min
17300 Byte S 7-8 Pactor III Level 5 0:35 min

Tabelle 1: Vergleich der Übertragungszeiten von Textdateien zwischen Pactor II und Pactor III

Aus der Tabelle erkennt man, dass die erreichbaren Übertragungsgeschwindigkeiten stark von den Feldstärken, genauer gesagt vom Signal-Geräusch-Verhältnis (SNR) abhängig sind. Es ist also recht schwierig, eine allgemeingültige Aussage über die erreichbare Datenübertragungsrate bei Pactor III zu machen. Wir haben mehr als hundert Übertragungsversuche gemacht. Es sind jeweils die besten Werte, wenn kaum Fehler bei der Übertragung auftraten, keine Störungen durch andere Stationen oder atmosphärische Störungen vorhanden waren, in die Tabelle eingetragen worden. Der beste Wert (letzte Zeile) kam zustande, als überhaupt keine anderen Signale auf dem Band zu hören waren und ich die Senderleistung auf 10 Watt erniedrigt hatte. Wirklich erniedrigt! Ob vielleicht bei höheren Leistungen HF-Einstrahlungen auftreten und das Sendesignal verfälschen?

Interessant waren auch die Versuche bei ganz schwachen Signalen. Als auf dem 15-m-Band keine guten Ausbreitungsbedingungen herrschten, war das Signal von Hartmut praktisch nicht zu hören. Hierbei dauerte die Dateiübertragung einer Datei in Pactor II gut 10 Minuten. Hierbei schaltete der PTC nur gelegentlich von DBPSK auf DQPSK. In Pactor III war kurz danach bei etwa gleicher Signalstärke die gleiche Datei bereits in knapp fünf Minuten übertragen. Auch in dieser Zeit war das Signal aus Spanien kaum zu hören. Also Pactor III brachte in diesem Fall auch eine deutliche Verbesserung der Übertragungsgeschwindigkeit.
Leider fehlen uns Messungen bei starken Signalen von mehr als S9. Hartmut EA5/DK3OZ mit der Mobilstation kam nie über S8, DL2FAK auf 20 m konnte ich nicht erreichen, F6HQZ bekam ich nur mit geringer Feldstärke, DL1ZAM auf 80 m kam schon mal nachts über S9, jedoch waren soviel Nebengeräusche zu hören, dass die höchste Geschwindigkeitsstufe nie über Level 5 kam.

Technische Daten

Auf der Homepage von SCS findet man eine Tabelle der theoretisch erreichbaren Übertragungsraten in Abhängigkeit von der Übertragungsgeschwindigkeitsstufe ("Speedlevel"). Ich habe diese Tabelle ins Deutsche übersetzt und durch die entsprechende Anzeige im PTC-II ergänzt.

SL NT PDR NDR CFR

SNR

LED1 LED2
1 2 200 76,8 2,7 *) rot -
2 6 600 247,5 2,8   grün -
3 14 1400 588,8 3,4   - rot
4 14 2800 1186,1 3,6   - grün
5 16 3200 2039,5 4,1   rot grün
6 18 3600 2722,4 4,4   grün grün

Tabelle 2: Die von SCS angegebenen Übertragungsgeschwindigkeiten bei Pactor III

LEDs DQPSK/DBPSK und MaxSpeed/HiSpeed bei Pactor III

Bild 3: Die LEDs DQPSK/DBPSK und MaxSpeed/HiSpeed zeigen auch bei Pactor III den aktuellen Geschwindigkeitspegel an.

SL ist die Geschwindigkeitsstufe (Speedlevel). NT bedeutet Anzahl der Töne (Number of tones, sub carriers). PDR ist die physikalische Datenrate in Bit/s. NDR ist die Netto Datenrate ohne Kompression in Bit/s. Mit Online-Datenkompression können diese Werte mit 1,9 multipliziert werden. Der maximale Datendurchsatz mit Online-Datenkompression beträgt zirka 5200 Bit/s. CFR ist das Leistungsverhältnis in dB der PEP-Leistung des SSB-Senders zur erzeugten mittleren Leistung. Bei CFR 3 dB erzeugt beispielsweise ein 100 W SSB Sender eine mittlere Leistung von 50 W Output ohne Signalbegrenzung. SNR ist der benötigte Signal-Störabstand (signal to noise ratio). *) Zur Zeit liegen noch keine Messwerte vor. Messungen mit dem Ionosphären-Simulator bei SCS sollen noch folgen. Die maximal belegte Bandbreite beträgt 2,2 kHz (-40 dB), der NF-Durchlassbereich muss 400 Hz bis 2,4 Kilohertz betragen. LED1 stellt die Anzeige im PTC dar, obere Diode (DBPSK/DQPSK), LED2 mittlere Diode rechts (HiSpeed/MaxSpeed),siehe Bild 3.

Die Technik

Pactor III arbeitet nicht nur mit zwei Tönen, sondern mit bis zu 18 Tönen (siehe Bild 3). Deshalb ist eine höhere Bandbreite nötig. Während man bei Pactor II mit einer Bandbreite von 500 Hertz auskam, ist für Pactor III für die höchste Geschwindigkeitsstufe Level 6 die volle SSB-Bandbreite von mindestens 2,4 kHz nötig, genauer der Niederfrequenzbereich von 400 Hertz bis 2,4 Kilohertz, wobei die Filterkurve des Sendefilters möglichst wenig Welligkeit haben sollte. Im Bild 3 sehen Sie das Signal, wie es als Frequenzspektrum bei Level 6 aussieht. Dieses Bild wurde freundlicherweise von SCS zur Verfügung gestellt. Sie finden es auch auf der Homepage von SCS [2] unter Pactor III.

Bei SCS werden Versuche mit speziellen SSB-Filtern gemacht, wie ich eines als Sonderzubehör (Collins YF-115S-02) in meinem FT-847 habe. Aber solch ein Filter braucht man höchstens für Level 6. Level 6 bedeutet nur eine sehr geringe Geschwindigkeitsverbesserung gegenüber Level 5 und ist von SCS als eine Art zusätzliche "Perfektion" mit zwei Zusatztönen noch ergänzt worden, um die theoretisch beste Möglichkeit technisch zu realisieren. Sie wird nur zwischen Signalstrecken ohne Störgeräusche mit hochmodernen Transceivern realisiert werden können. Sie ist wohl im realen Funkverkehr ohne Bedeutung.

In diesem Frequenzdiagramm sieht man, dass der gesamte Frequenzbereich von 400 Hertz bis 2400 Hertz belegt ist. Für Pactor Level 5 oder geringer werden die beiden äußeren Spitzen nicht gebraucht. Dann reicht der Bereich von 500 Hertz bis 2300 Hertz aus. "Das können alle normalen Transceiver", meint Martin DL1ZAM von SCS.

Versuche mit den verschieden Tonmodi bei Pactor III

Zur Übertragung der digitalen Signale arbeitet man mit Tönen, die auf den SSB-Sender aufmoduliert werden. Dadurch entstehen je nach Tonhöhe Frequenzsprünge des SSB-Signals, was man NF-Frequenzumtastung (audio frequency shift keying AFSK) nennt. Ein Berechnungsbeispiel finden Sie in dem Kasten. Wenn man diese Töne in ihrer Phasenlage umtastet, entsteht PSK (phase shift keying). Durch Erhöhung der Anzahl der Töne und der Phasensprünge dieser Töne kann man die Anzahl der Bits pro Sekunde gegenüber reiner Frequenzumtastung (FSK) erhöhen. Bei Pactor II werden nur zwei Töne verwendet, bei Pactor III bis zu 18 Töne (Bild 4).

Die ausgesendeten Töne müssen vom Sender übertragen werden und als solche durch den NF-Kanal und die HF-Aufbereitung hindurch passen. Deshalb hat man solche Töne gewählt, die im normalen Spektrum der menschlichen Sprache vorhanden sind und von den SSB-Sendern übertragen werden. Bei Pactor II konnte man diese Töne frei wählen. Standardmäßig waren die beiden Töne 1200 Hertz (Space) und 1400 Hertz (Mark) eingestellt, was eine Mittenfrequenz von 1300 Hertz ergibt und ziemlich in der Mitte der üblichen Filter liegt.

Bei Pactor III verteilen sich die Töne im Frequenzbereich von 400 Hertz bis 2400 Hertz, was einer Bandbreite von 2,2 kHz entspricht. Deshalb darf man Pactor III nicht mehr in den für Schmalbandmodulationsarten zugelassenen Frequenzbereichen (auch CW-Bereich genannt) machen, sondern muss genau wie bei SSTV in den SSB-Bereich gehen. Zur Zeit werden Frequenzen im unteren Teil der SSB-Bereiche verwendet, zum Beispiel 14109 kHz oder 21106 kHz.

Für den Anruf einer anderen Pactorstation werden zwei Töne im Abstand von 200 Hz gebraucht. Das System musste man bei Pactor III beihalten, weil man abwärts kompatibel bleiben möchte, damit man also mit dem neuen System auch weiterhin zu Pactor I und Pactor II Stationen Verbindung aufnehmen kann. Der Anruf erfolgt also weiterhin grundsätzlich im Pactor I Modus. Sobald die Stationen ihren beiderseits höchsten Level festgestellt haben, schalten sie in diesen um. Pactor III geht also nur, wenn beide Funkpartner ein Gerät mit Pactor III Firmware haben und diesen höchsten Level auch frei gegeben haben.

Für den Empfang sollte man seinen Abstand zum unterdrückten Träger der Gegenstation so wählen, dass die Töne gut in den Empfangsbereich passen. Deshalb ist es sinnvoll, den Abstand nicht mehr mit 1300 Hz wie bei Pactor II sondern mit 1500 Hz zu wählen. Dann ist man in der Mitte der üblichen Filter. Dies wird durch die Wahl des TONES-Parameters (TO) beim PTC-II festgelegt. Damit die Töne in der Frequenz richtig sind, müssen beide Stationen den gleichen Tones-Parameter haben. Das ist wie bei SSB. Man hat nur den richtigen Klang, wenn man genau auf der gleichen Frequenz zueinander ist.

TOne 0:  1200/1400 Hz (low tones)
TOne 1:  2100/2300 Hz (high tones)
TOne 2:  Selbst definierbares Tonpaar (MArk/SPace)
TOne 3:  fest 1200/1400 Hz (PACTOR-III Anruftonpaar)
TOne 4:  fest 1400/1600 Hz
TOne 5:  fest 1600/1800 Hz

Die Tonparameter 0 bis 2 sind für Pactor II und die weiteren für Pactor III und auch für Pactor II möglich. Um Pactor III machen zu können, muss aber unbedingt eines der Tonpaare 3 bis 5 eingestellt werden. Es wird wohl TO 4 der Standardwert werden, weil diese Töne genau im mittleren Bereich des NF-Durchgangs eines üblichen SSB-Senders liegen.

Frequenzangaben bei Pactor

Etwas problematisch sind die Frequenzangaben der festen Pactorstationen (Mailboxen) und bei Verabredungen. Früher hat man in den Frequenzlisten die Markfrequenzen angegeben. Also musste man von dieser Frequenz die eingestellte Frequenz (meistens 1400 Hz) des Tones für Mark abziehen, um die am Transceiver einzustellende Senderfrequenz zu erhalten (Siehe auch Berechnungsbeispiel im Kasten unten!). Weil man aber auch im unteren Seitenband arbeiten kann, liegen die Töne spiegelverkehrt und man muss 1200 Hertz addieren, um die Senderfrequenz zu bekommen. Bei den Winlinkstationen ist man dazu übergegangen, die Mittenfrequenz anzugeben. Dann muss man unabhängig vom Seitenband 1300 Hertz subtrahieren (USB) oder 1300 Hertz addieren (LSB). Die meisten Stationen verwenden immer USB, deshalb gibt man gelegentlich auch die USB-Frequenz an, die man bei Pactor II am Transceiver einstellen muss.

Wer jetzt unter Pactor III oder auch unter Pactor II die Tonmittenfrequenz 1500 Hz (TO 4) verwendet, muss von der angegebenen Mittenfrequenz 1,5 kHz abziehen, um die einzustellende SSB-Frequenz zu erhalten. Hat man nur die Mark-Frequenz der Pactorstation, muss man bei USB 1,6 kHz abziehen, weil die Markfrequenz immer 100 Hertz höher liegt als die Mittenfrequenz. Für Leute mit festen Pactorstationsfrequenzen empfehle ich grundsätzlich nur die Angabe der Mittenfrequenz ihres Senders. Dann kann sich der Benutzer selbst eindeutig die einzustellende SSB-Frequenz ausrechnen. Beispiel: Ich habe eine feste Pactorstationsfrequenz von 10145,9 kHz an meinem SSB-Sender eingestellt. Da ich mit dem Tonpaar TO 4 arbeite mit 1500 Hz Mittenfrequenz, gebe ich als Pactor Centerfrequenz 10147,4 kHz an. Eine Pactor II Station mit der üblichen Mittenfrequenz von 1300 Hz muss dann 10147,4 kHz minus 1,3 kHz gleich 10146,1 kHz als USB-Frequenz einstellen.

Verwendung von Pactorprogrammen

Jedes Programm, bei dem über den Kommandomodus Parameter übergeben werden können, ist für Pactor III geeignet. Man muss nur dafür sorgen, dass der höchste zur Verfügung stehende Pactorlevel auf drei gestellt wird. Der Befehl lautet MYLevel 3. Ferner muss der Tonparameter auf mindestens drei gesetzt werden, am besten direkt "TOnes 4". Das ist alles. Damit läuft jedes Pactorprogramm in Pactor Level III.

Im Zusammenhang mit dem E-Mail Versand über Amateurfunk stellt die Winlinkorganisation [3] das Programm AirMail kostenlos zur Verfügung, das sich inzwischen auch hervorragend als normales Pactor-QSO Programm verwenden lässt. Zu diesem Thema finden Sie drei Berichte aus früheren Funkheften auf meiner Homepage unter [2]. AirMail hat den großen Vorteil, dass man die Senderfrequenzen üblicher Transceiver mit CAT-Steuerung direkt vom Programm aus steuern lassen kann. Man kann sogar mehrere Frequenzen automatisch scannen lassen und wäre dann auf diesen Frequenzen erreichbar. So mache ich es mit meinem FT-847. AirMail ab der Version 3.0.870 ist so intelligent, dass es zwischen Pactor III mit der üblichen Tonmittenfrequenz von 1500 Hertz und Pactor II mit der üblichen 1300 Hertz unterscheiden kann und jeweils die richtige Frequenzablage automatisch einstellt.

Bild 5: Das Pactorprogramm AirMail unterstützt die Umschaltung zwischen Pactor II und Pactor III mit entsprechender Frequenzsteuerung der Transceiver mit CAT-Schnittstelle.

Falls man als Pactor-III-Nutzer für Pactor III und für Pactor II die gleiche Tonfrequenzeinstellung verwenden möchte (TO 4, sehr empfehlenswert), kann man in AirMail unter Optionen auch die Centerfrequenz 1500 Hertz einstellen (Bild 7). Dann muss man dort aber die Option SET TONES abwählen und in der "Startup-INI" TO 4 als zusätzlichen Parameter eintragen. Auch dann rechnet AirMail immer die richtige Senderfrequenz aus, zeigt diese an und stellt gegebenenfalls sogar den Sender selbsttätig ein.

Bild 7: Die Einstellungen bei AirMail, falls man für Pactor II und für Pactor III den gleichen Tonmodus (TOnes 4) wählen möchte

Zusammenfassung

Pactor III ist eine herrliche Erweiterung für OMs, die gern mit der neuesten Technik "spielen" möchten. Es macht Spaß, die Station so sauber hin zu bekommen, dass man den höchsten Level erreicht. Pactor III hat für OMs große Bedeutung, die größere Dateien in kürzerer Zeit übertragen möchten, weil sie vielleicht mit ihrem Segelboot oder Reisemobil Wetterkarten über Winlink empfangen wollen. Für das normale Pactor QSO mit reiner Textübertragung aber bringt Pactor III gar nichts, weil man gar nicht so schnell schreiben kann.

Drei Nachteile gibt es. Die erforderliche Bandbreite ist fünfmal so hoch wie bei Pactor II, wodurch sich die Empfindlichkeit verschlechtert (SNR) und man deshalb nicht mehr im Schmalbandfrequenzbereich senden darf (CW-Bereich). Das Firmwareprogramm ist größer, wodurch für die Mailbox nur noch 48 KB RAM frei bleiben bei üblicher Bestückung mit 512 KB. Man muss den Speicher aufrüsten. Drittens: Die neue Firmware kostet etwas.

Berechnungsbeispiel für AFSK-Frequenzen

Bei jeder Modulation entstehen immer die Summe und die Differenz der beiden Frequenzen. Moduliert man einen SSB-Sender mit beispielsweise einer (unterdrückten) Trägerfrequenz von 14100 kHz im oberen Seitenband mit 1,2 kHz (0-Signal oder Space), so entsteht eine Summenfrequenz von 14101,2 kHz. Moduliert man mit 1,4 kHz (1-Signal oder Mark), so erhält man als Summe 14101,4 kHz, also entsprechend 200 Hz höher. Diesen Frequenzabstand nennt man "Shift". Da die Trägerfrequenz unterdrückt ist, wirkt sich das entstandene Signal so aus, als ob man einen Sender hätte, der auf seiner Frequenz umgetastet wird (FSK). Wenn dies durch Umtastung eines Tones erreicht wird, nennt man die Modulationsart AFSK (Bild 6).


Bild 6: Frequenzumtastung bei SSB

Da man nicht erkennen kann, ob ein SSB-Sender mit einem Ton moduliert oder in der Frequenz umgetastet wird, gab man früher bei Pactor als Sendefrequenz die des Marksignals an, also im oberen Beispiel 14101,4 kHz, obwohl der Sender auf 14000 kHz eingestellt ist. Anders herum: Wird von der Pactor-Mailbox HB9AK als Mark-Frequenz 7038 kHz angegeben, muss man seinen Sender im oberen Seitenband (USB) auf 7036,6 kHz einstellen.

Man kann und darf bei Pactor auch im unteren Seitenband (LSB) senden. Dann muss man seinen Sender aber oberhalb der angegebenen Frequenz einstellen. Weil dann der 1200-Hz-Ton die höhere Frequenz wird, muss man 1200 Hz dazu zählen. Man stellt seinen Sender also auf 7039,2 kHz ein, wenn man HB9AK in LSB connecten will.

Heute gibt man als Sendefrequenz den Mittelwert der beiden HF-Signale an. Denn schließlich kann man ein FSK-Signal auch wie ein FM-Signal mit den zwei Seitenfrequenzen verstehen. Der Hub entspricht dann der halben Shift. Die Bandbreitenberechnungen gehen in der Nachrichtentechnik von einem FM-Signal aus. Wird die Mittenfrequenz (center frequency) in einer Liste angegeben, muss man bei Verwendung der beiden Töne 1200 beziehungsweise 1400 Hertz mit dem Mittelwert 1300 Hertz also immer 1,3 KHz abziehen, um die USB-Senderfrequenz oder 1,3 kHz addieren, um die LSB-Senderfrequenz zu erhalten.

In zwischen geht man dazu über, als Mittenfrequenz 1500 Hertz zu wählen, weil man dann noch genauer in der Mitte eines SSB-Übertragungskanals liegt. In diesem Fall muss man also 1,5 kHz von der angegebenen Centerfrequenz abziehen bei USB-Einstellung am SSB-Sender.

Mehr zu Pactor: Pactor - was ist das? Hier auf der Homepage

[2] http://www.scs-ptc.com 
[3] http://www.winlink.org

© Eckart K. W. Moltrecht, DJ4UF, Juli 2002

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