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Eckarts Lehrstunde aus Funk 03/2001
APRS über die Raumstation ISS
Bahnverfolgung mit WinOrbit
Folgende Nachricht kam im ersten Deutschland-Rundspruch
des DARC des Jahres am 11. Januar [1]: Die Packet Radio-Anlage auf der Internationalen
Raumstation ISS soll jetzt in Betrieb genommen werden. Die Frequenzen sind 145,800 MHz
für Downlink und 145,990 MHz für Uplink. Als Rufzeichen wird RZ3DZR*
verwendet. Die Anlage ist zunächst so konfiguriert, dass alle zwei Minuten eine Bake
gesendet und auch empfangene UI-Frames wiederholt werden. Da der Computer noch nicht
verkabelt ist, sollte die Mailbox noch nicht benutzt werden.
Juni 2001: APRS funktioniert, *Rufzeichen zur
Zeit "NOCALL".
Das wollte ich gern einmal hören und natürlich dabei sein, wenn die
Mailbox in Betrieb geht. Wenn Sie auch Packet Radio über Satellit probieren
möchten, dann versuchen Sie einmal nach zu vollziehen, was ich alles gemacht habe, um
zunächst die Bake zu empfangen und dann auch zur Raumstation zu senden.
Zunächst musste ich wissen, wann denn die Raumstation ISS in
Reichweite ist, denn ich weiß nur, dass sie relativ niedrig um die Erde kreist und
mehrmals am Tag für zirka 10 Minuten zu hören und manchmal abends kurz nach
Sonnenuntergang auch zu sehen ist. Um Genaueres heraus zu finden gibt es ja schließlich
die Satelliten-Track-Programme. Ich verwende das bewährte WinOrbit. Wenn Sie noch
kein Satellitenprogramm haben, können Sie WinOrbit von der Amateurfunk-Software-CD aus
dem Funk-Sonderheft 2001 nehmen.
WinOrbit von der Software-CD 2001
oder aus dem Internet (siehe LINKS)
Sie brauchen für einen ersten Test das Programm noch gar nicht zu
installieren. Sie können es direkt von der CD starten. Legen Sie die CD ein, suchen mit
dem Windows Explorer die Datei START.htm, doppelklicken darauf, klicken auf das
Startbild der CD, dann auf Satellitenprogramme, dann auf Satellitenbahnberechnung.
Es werden jede Menge Satellitenprogramme vorgestellt und ziemlich zum Schluss finden Sie WinOrbit
(Neu). Dort klicken Sie auf Programm starten. Die Sicherheitsabfrage beantworten Sie
mit Programm von diesem Ort ausführen und die nächste
Sicherheitsabfrage mit Ja.

Bild 1: WinOrbit zur Bahnverfolgung und Ermittlung der
Bahndaten der Raumstation ISS
Das Programm startet mit der Weltkarte und dem Satellit Phase III.
Außerdem wird als Standort das QTH des Programmautors in Maryland vorgegeben. Wenn Sie
nun Ihre persönlichen Daten eingeben und später auch abspeichern wollen, sollten Sie das
Programm richtig installieren. Dazu brauchen Sie nur das komplette Verzeichnis Winorbit
mit Unterverzeichnissen unter Satellit von der CD auf die Festplatte zu kopieren.
Allerdings müssen Sie anschließend den Schreibschutz aller Dateien aufheben, denn wenn
Dateien auf einer CD gespeichert waren, tragen Sie immer einen Schreibschutz. Damit wären
Ihre persönlichen Daten wiederum nicht abspeicherbar.
Den Schreibschutz kann man unter Windows 98 (95) folgendermaßen
aufheben. Gehen Sie im Explorer in das Verzeichnis, wo Sie die Dateien auf der Festplatte
gespeichert haben. Bei mir ist es D:\AFU\WINORBIT und markieren Sie alle Dateien in diesem
Verzeichnis (Explorer: Bearbeiten Alles markieren oder STRG-A). Klicken Sie
dann in diesem Verzeichnis auf die rechte Maustaste und wählen Sie Eigenschaften
aus. In dem folgenden Fenster entfernen Sie das Häkchen schreibgeschützt. Machen
Sie dies in allen Unterverzeichnissen von WinOrbit. Nun starten Sie von hier die Winorbit.exe.
Unter Setup Observer/QTH... (Bild 5a) geben
Sie außer Ihrem Rufzeichen und dem Standort und so weiter vor allem den Grid Locator
oder alternativ Längen- und Breitengrad Ihres Standorts ein. Longitude ist
östlicher Längengrad und Latitude ist nördlicher Breitengrad (Bild 5b). Nach
einem Klick auf Replace und File Save und OK wird in der Weltkarte
ein Kreis in Europa gezeichnet und Ihr Rufzeichen steht daneben (Bild 1). Nun sollten Sie
mit den Möglichkeiten des Programms ein wenig spielen. Über Setup Satellite
Database wählen Sie den Satelliten aus. Allerdings können Sie sich die Raumstation
ISS noch nicht anzeigen lassen. Dazu fehlen noch die Keplerdaten.
Die Keplerdaten aus der Mailbox
WinOrbit benötigt die aktuellen Keplerdaten im NASA-Format von zwei
Zeilen (2-lines), wie diese auch in den Mailboxen zu finden sind.

Bild 2: Die Keplerdaten aus der Mailbox
Ich connecte also unsere lokale Mailbox und gebe ein l
kepler (Bild 2). Ich bekam eine Zeile mit der Nummer 167 angezeigt, aber dies
schienen mir nicht die richtigen Daten zu sein. Ich versuchte es dann mit l
150- und nun konnte ich erkennen, dass die gesuchten Daten in der Nachricht Nummer
166 stecken, denn diese 2L am Anfang deutet auf das 2-lines-format
hin. Also gab ich ein r 166. Vorher schaltete ich noch die
Speichern Funktion ein, damit ich die Daten in einer Datei wieder finde.

Bild 3: Die Keplerdaten im NASA-Format
Wenn man sich diese Datei dann im Texteditorfenster anschaut, findet
man irgendwo die Kennzeichnung ISS (roter Pfeil in Bild 3) und darunter die zwei
benötigten Datenzeilen. Diese insgesamt drei Zeilen braucht man nur in die Datei
DATABASE.2LI von WinOrbit zu kopieren und man hat die aktuellen Daten für die
Raumstation. Da die Daten vieler Satelliten neu sind, kann man natürlich auch ein
richtiges Update machen. Kopieren Sie die gespeicherte Textdatei in das Verzeichnis keps
von WinOrbit. Benennen Sie diese eindeutig mit beispielsweise keps127.2li (bitte
nicht mehr als 8+3 Zeichen), wobei die Nummer 127 für den 127. Tag des Jahres gilt und
die Endung 2LI andeutet, dass die Keplerdaten im Zweizeilenformat (2 Lines) vorliegen. Das
Update erfolgt in WinOrbit im Menu Setup Satellite Database und dort File
Open 2Lines, dann Auswahl der Datei OK. Da jetzt einige Daten doppelt
vorhanden sind, fehlt noch der abschließende Befehl unter Database Purge
Duplicates. Abschließend speichern Sie die neuen Daten unter File Save
Database.

Bild 4: Mit den abgespeicherten Keplerdaten wird ein Update
durchgeführt
Die Bahnverfolgung mit WinOrbit
Nun wollte ich gern wissen, wann denn die Raumstation das nächste Mal zu hören sein
könnte. Unter Setup Satellite Database wähle ich die ISS aus und trage
noch die Downlink- und die Uplinkfrequenz ein. Dann wähle ich in diesem
Fenster Database Add Entry und schließlich File Save
Database und File - Exit. Ich erkenne, dass die ISS irgendwo zwischen
Südafrika und Australien ist. Um die Raumstation in die Tabelle zu bringen, klickt man
diese mit der rechten Maustaste an und wählt Replace und wählt dann ISS.

Bild 5a: Die Auswahl des Satelliten

Bild 5b: Die Eintragung der persönlichen Daten
Um festzustellen, wann sie denn hier zu hören sein könnte, starte ich unter Calc
die Simulation. Je nach Rechnergeschwindigkeit werden nun Schritt für Schritt
Berechnungen durchgeführt und als Punkte in die Karte gesetzt (Bild 1). Ich erkenne nach
einer Weile, dass erst am nächsten Morgen ein Durchgang über Europa sein wird. Denn die
Fußleiste unter der Karte wird rot und es geht die Elevation auf positive Werte.
Elevation bedeutet, wie weit man die Antenne nach oben richten müsste, um einen optimalen
Abstrahlwinkel zur ISS zu bekommen. Wenn der Winkel negativ ist, zeigt die Antenne zum
Erdboden, da der Satellit hinter dem Horizont ist. Dann ist noch kein Funkverkehr mit der
Raumstation möglich.

Bild 6: Die Bahndaten für den nächsten Durchgang
Um den genauen Aufgang der ISS zu erhalten, lasse ich mir
die Bahndaten für die nächsten Durchgänge als Tabelle anzeigen (Bild 6). Dazu wähle
ich Calc Show Next Passes. Natürlich lässt sich diese Tabelle
anschließend auch ausdrucken. Aus der Berechnung sehe ich, dass dieser Durchgang sehr
flach verlaufen wird, denn die maximale Elevation ist nur 5,8 Grad. Aber mit einer gut
bündelnden Richtantenne könnte es gehen. Für OMs mit einfachen Rundstrahlantennen im
2-m-Band wäre ein Durchgang möglichst direkt über das eigene QTH sehr günstig.
Dazu kann man die Simulation von Hand (Calc Manual)
weiter (FWD) oder zurück (Back) laufen lassen und in der Anzeige beobachten, wann die
Elevation auf mehr als 45 Grad ansteigt. Im Bild 7 sieht man diesen Fall. Für die lokale
Ortszeit 11:05 Uhr wird in der Tabelle eine Elevation von 68 Grad vorhergesagt. Ich bin
gespannt, ob ich die Raumstation mit meiner Groundplane Antenne hören und Packet-Signale
dekodieren kann.

Bild 7: Mit der Einstellung manual kann
man sich schon vorher ansehen, wie der folgende Durchgang der ISS wohl sein wird
Mit dem Programm WinOrbit kann man sogar heraus finden, wann die
Raumstation wohl mit dem bloßen Auge sichtbar sein wird. Dazu schaltet man die Funktion
Anzeige der Sonnenbeleuchtung an. Man erhält diese Anzeige über Options Show
Solar Illumination. Das Sonnenzeichen in Bild 8 ist über Südamerika. Dort also ist
es Mittag und genau an der gestrichelten Linie ist die Dämmerungszone. Da die
Dämmerungszone in Richtung Westen läuft, wird es also in Deutschland gerade dunkel und
der Satellit (durchgezogene Linie) kommt von
Westen aus der Sonne in die Dunkelheit. Dies ist ein idealer Fall, dass die Sonnenstrahlen
an den großen Sonnensegeln der ISS reflektieren und man die Raumstation mit bloßem Auge
am Himmel als sich schnell bewegenden sehr hellen Stern erkennen kann, wenn die Bewölkung
es zulässt.

Bild 8: Die Raumstation wird optisch sichtbar
Im rechten Teil von Bild 8 ist die aktuelle Sicht von der ISS auf die
Erde dargestellt. Diese Anzeige erhält man über Window Show Globe und dann
Redraw. Aus dieser Sicht kann man erkennen, dass Deutschland wohl gleich ins
Blickfeld kommen müsste. Also schnell hinaus gehen und in Richtung 264 Grad (Westen)
gucken! Ich hatte Glück an jenem Tag. Die Berechnungen stimmten genau und ich konnte die
ISS vom Aufgang ab etwa 10 Grad Elevation bis zu einem Punkt etwa über Kopf verfolgen,
bis sie dort in den Erdschatten eintrat und optisch verschwand.
Packet Radio-Signale von der ISS?
Die Vorbereitungen für einen Empfang waren getroffen. Ich schaltete
mein FM-Funkgerät TM-V7 auf die Frequenz 145,800 MHz und Data auf die
2-m-Seite. Downlink 145,800 MHz bedeutet, dass auf dieser Frequenz die Signal von
oben nach unten also hinunter (englisch: down) kommen. Dies ist also
für mich die Empfangsfrequenz. Zusätzlich schaltete ich auch mein großes
Funkgerät (FT-847) mit seiner 2-m-Langyagi auf diese Frequenz und richtete die Antenne
laut Vorhersage auf Westen aus.

Bild 9: Die Differenz zwischen Lokalzeit (MEZ oder
MESZ) muss eingestellt werden
Leider war bei diesem ersten Mal mit beiden Funkgeräten nichts zu
hören außer den Störungen von unserem Repeater auf 145,785 MHz, der ab und zu seine
Bake ausstrahlte und in FM auf 145,800 MHz noch gut zu hören war.Was war passiert?
Stimmte die Uhrzeit nicht (UTC MEZ)? Oder war die Bake abgeschaltet? Ich prüfte
nach unter Setup Time Zone (Bild 9). Muss ich den Punkt bei Leads UTC
oder bei Lags UTC setzen?
Die Hilfe (Help) von WinOrbit schreibt zu diesem Punkt: Für Benutzer
in Nord- und Südamerika wird Lags UTC eingestellt, für Benutzer in Osteuropa und
Asien Leads UTC. Benutzer in Westeuropa können östlich oder westlich vom
Nullmeridian liegen. Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen in Mitteleuropa
eindeutig östlich und müssen deshalb Leads UTC auswählen. Der Unterschied
zwischen UTC und MEZ Winterzeit beträgt genau eine Stunde. Im Sommer müsste man für
MESZ 2,00 Stunden Differenz einstellen. Also hat alles soweit gestimmt. Dann war wohl der
Sender auf der Raumstation ausgeschaltet. Die nächsten Tage werden es zeigen.
Inzwischen könnte ich schon versuchen, den Transceiver für das
Senden einzurichten. Das Problem ist nämlich die geringe Ablage zwischen Sendung und
Empfang. Normalerweise ist im 2-m-Band eine Ablage von 0,6 MHz eingestellt. Hier sind es
zwischen Downlink 145,800 MHz (Empfang) und Uplink 145,990 MHz (Sendung) nur 0,19 MHz
Unterschied. Bei meinem Transceiver FT-847 ist es ziemlich einfach, indem ich den VFO A
auf die Downlinkfrequenz und den VFO B auf die Uplinkfrequenz einstelle und dann auf Split
schalte. Beim TM-V7 ist es nicht so einfach. Dazu befrage ich das Handbuch.
Also das geht so: Auf Menü (MNU) drücken, am Drehknopf bis zur 5
(Repeater) drehen, auf den Pfeil nach rechts drücken, am Drehknopf auf .2
(VHF Offset) drehen, auf SET drücken. Jetzt kann man mit dem Drehknopf die Ablage
einstellen, allerdings nur in 50-kHz-Schritten. Ich stelle 0,2 MHz ein, obwohl wir
eigentlich 0,19 MHz benötigen. Vielleicht geht es ja auch, wenn man 10 kHz zu hoch
sendet? Danach drücke ich auf SET. Wenn man jetzt lange auf SET drückt, wird diese
Einstellung für immer gespeichert. Für diesen Test reicht die augenblickliche
Einstellung. Wenn der Transceiver aus- und wieder eingeschaltet wird, sind diese
temporären Einstellungen wieder weg. Nach einer kurzen Wartezeit springt der Transceiver
wieder aus dem Menü heraus.
Ich stelle den Transceiver nun auf VFO-Betrieb. Die Ablage muss noch
auf Plus (+) gestellt werden, da die Sendefrequenz ja oberhalb liegt und die 0,19 MHz
addiert werden müssen. Beim normalen Repeaterbetrieb ist es umgekehrt. Dabei liegen die
Empfangsfrequenzen oberhalb und man sendet 0,6 MHz tiefer. Die Einstellung geht so:
Funktionstaste F drücken, Shift drücken. Die Anzeige wechselt zwischen +,
- und ohne. Führen Sie F Shift so oft durch, bis das Pluszeichen oben im
Display steht. Kurzer Test. Stellen Sie den Transceiver auf 145,800 MHz. Drücken Sie die
PTT. Der Sender piepst. Fehlfunktion. Er verweigert eine Aussendung auf 146,000 MHz.
Ich suche einen Ausweg. Man kann die Schrittweite auf 5 kHz herunter
setzen. Wenn ich den Transceiver dann für Empfang auf 145,795 MHz einstelle (das geht),
dann liege ich zwar 5 kHz zu tief, aber bei der Breitbandigkeit des Gerätes müsste es
noch gehen. Die 0,2 MHz dazu ergeben 145,995 MHz. Das ist unterhalb der Bandgrenze und nur
5 kHz zu hoch in der Sendefrequenz. Das sollte gehen. Die Schrittweite stelle ich so ein:
Funktionstaste F eine Sekunde lang drücken, dann STEP drücken. Am
Drehknopf auf 5 drehen. OFF drücken. Am VFO stelle ich 145,795 MHz ein. Die Ablage
steht noch auf 0,2 MHz und auf Plus (siehe oben). Ich drücke für einen Test die PTT. Es
geht. Es wird 145,995 MHz angezeigt. Fertig! Nun kann die Raumstation kommen.
*) Juni 2001: APRS funktioniert, Rufzeichen zur
Zeit "NOCALL"..
[1] Den Rundspruch kann man auch im Internet nachlesen und sogar
kostenlos abbonieren unter www.darc.de/rundspruch/
© 2001 Eckart K. W. Moltrecht, DJ4UF

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