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Eckarts Lehrstunde aus Funk 02/2001
Die Befehle beim RMNC/Flexnet-Digipeater
Bei Packet Radio im Amateurfunk werden häufig noch Programme verwendet,
bei denen man einzelne Befehle als Kommando ausgeben kann. Dabei muss man unterscheiden,
ob die Befehle an den eigenen TNC oder an einen Digipeater oder an eine Mailbox gehen
sollen. Immer wieder wurde nach der Erläuterung solcher Befehle bei Packet Radio gefragt.
In dieser Funk und in den nächsten Heften werden die einzelnen Befehle von Digipeatern
und Mailboxen erläutert.
Die Unterschiede
Sämtliche Prozessoren in den einzelnen Systemen benötigen Befehle. Bei
Packet Radio gibt es verschiedene Systeme gleichzeitig, die hier zunächst einmal
unterschieden werden müssen.

Bild 1: Die einzelnen Ebenen im Packet Radio-System
Alle Befehle werden über die Tastatur an das Computerprogramm gegeben. Es
gibt zwei Arten von Packet Radio-Programmen, nämlich solche, bei denen man die Befehle in
einer Befehlszeile selbst eingibt und solche, bei denen man die Funktion aufruft (meist
Windows-Programme) und das Programm dann die Befehlszeile erzeugt. Ein solches Programm
ist beispielsweise Paxon, das ich in FUNK 1/00 vorgestellt habe. Es gibt auch
grafikorientierte DOS-Programme, zum Beispiel Graphik-Packet, die nach dem zweiten Prinzip
arbeiten.
Nehmen wir an, es soll eine Nachricht an einen anderen Funkamateur
gesendet werden. Der Ablauf geht folgendermaßen vor sich. Zunächst muss man einen Befehl
an den Controller ausgeben, dass ein Digipeater "connectet" werden soll. Dann
muss von dort aus die Mailbox "connectet" werden und schließlich muss man der
Mailbox mitteilen, dass man eine Nachricht absenden möchte (Bild 1).
Um den Controller anzusprechen, muss zunächst das Packet-Programm in den
Kommandomodus gebracht werden. Bei den alten Programmen erreicht man dies durch
Betätigung der Escape-Taste. Häufig erscheint dann ein Stern (*) als Kennzeichen für
den Kommandomodus. Aber dies hängt ganz vom Programm und vom Controller ab. Der Befehl
zum Verbindungsaufbau (connect) lautet üblicherweise "c <call>". Für
<call> muss das Rufzeichen des Digipeaters eingesetzt werden.
Ist die Verbindung hergestellt, meldet sich der Digipeater mit
"connected to ...". Im Bereich dieses Digipeaters gibt es nun wiederum eine
andere Befehlsliste, als zum Controller im Kommandomodus. Leider gibt es bei den
Digipeatern drei verschiedene Systeme mit jeweils einer anderen Befehlsliste. Eine davon
werden wir gleich noch kennen lernen. Zum Verbindungsaufbau mit der Mailbox kann man
entweder wiederum "c <Mailboxcall>" eingeben oder einfach den Befehl
"m" absenden. Normalerweise weiß der Digipeater selbst, mit welcher Mailbox er
verbunden ist.
Ist man mit der Mailbox verbunden, gelten nun die Befehle der Mailbox, die
sich wiederum von denen des Digipeaters unterscheiden. Leider gibt es auch bei den
Mailboxen wiederum mehrere Systeme. In jedem dieser Systeme gibt es eine andere
Befehlsliste. Diese werden wir beim übernächsten Mal kennen lernen.
Für unser Beispiel des Versendens einer Nachricht an einen anderen
Funkamateur geben wir nun (in allen Systemen gleich), den Send-Befehl mit Rufzeichen ein,
zum Beispiel: "s dj4uf Erster Test". Die Worte "Erster Test"
hinter dem Rufzeichen stehen für einen Betreff, eine Nachrichten-Überschrift, die
später beim Auflisten der eingetroffenen Nachrichten mit angezeigt wird.
Wichtige Befehle an den Controller
Da die Befehle für den Controller sehr vom verwendeten Gerät abhängen,
kann ich hier nur einige wenige Befehle vorstellen. Die anderen müssen Sie im Handbuch
Ihres Controllers nachlesen, wenn sie diese überhaupt brauchen sollten. Ein sehr
wichtiger Befehl dient zur Einstellung der Senderverzögerung "TX-Delay". Bei
den TNCs nach dem WA6DED-Hoste-Mode-System lautet der Befehl einfach "t
<Zahl>", bei anderen Systemen "txd <zahl>". Als Zahl wird
meistens der Wert in 10-Millisekunden-Schritten eingegeben, die der Sender nach
Betätigung der PTT warten soll, bevor er die Daten absenden soll. Bei manchen Controllern
(z.B. SCS-PTC-Modem) wird der Wert direkt in Millisekunden angegeben. Bitte schauen Sie in
Ihrem Handbuch zum Controller nach!
Übliche Werte für TX-Delay liegen bei 1K2-Digipeatern und normalen
Transceivern zwischen 100ms und 250ms, bei 9k6-Digis zwischen 50ms und 150ms. Im
Kommandomodus gibt man beispielsweise für einen Wert von 150ms folgenden Befehl ein.
t 15
Dieser Wert ist häufig in einer Initialisierungsdatei "*.ini"
bereits als Vorgabewert eingetragen. Sie sollten diesen Wert so kurz wie möglich
einstellen, um keine unnötige Sendezeit zu verlieren. Machen Sie den Wert versuchsweise
immer kleiner, bis ein Connect nicht mehr zustande kommt. Den so ermittelten Wert, bei dem
es noch gut geht, tragen Sie danach in die "INI" ein.
Das eigene Rufzeichen wird beim WA6DED-System bei den meisten TNCs und
Modems mit dem I-Befehl eingegeben:
"i dj4uf"
Auch dieser Befehl wird üblicherweise in der INI fest eingetragen. Alle
anderen Werte überlassen Sie ruhig dem Programm. Die Programmautoren haben meistens schon
die üblichen Standardwerte in ihr Programm eingetragen. Es ist selten nötig, hier etwas
zu ändern, außer den vom Transceiver abhängigen TX-Delay-Wert und dem eigenen
Rufzeichen.
Die wichtigsten Befehle beim Digipeater
Kümmern wir uns diesmal etwas ausführlicher um die Befehle eines
Digipeaters. Ein in Deutschland sehr häufig verwendetes System ist das von der
Amateurfunkgruppe "Rhein-Main-Neckar" entwickelte Controller-system (RMNC). Beim
nächsten Mal wenden wir uns dem TNN-System (TheNetNode) zu. Die Befehle der
RMNC-Digipeater sollen in dieser Funk ausführlich besprochen werden.

Bild 2: Die Befehlsliste eines RMNC-Digipeaters

Bild 3: Zum Vergleich: Die Hilfedatei eines TNN-Digipeaters
Holen Sie sich die für Ihren Digipeater gültige Hilfedatei selbst von
Ihrem Digi. Um die aktuelle Befehlsliste Ihres Digipeaters zu bekommen, connecten Sie
diesen und geben den Befehl "help" oder einfach "h" ein. Dann
erhalten Sie eine Befehlsliste ähnlich der Bilder 2 oder 3. Wenn Sie einen Digipeater
connecten, der mit dem TNN-System arbeitet (Bild 3), gelten nur die Erklärungen der im
Folgenden aufgeführten wichtigsten Befehle auch für dieses System. Bei den weiteren
Befehlen gibt es Unterschiede. Diese lernen Sie nächstes mal kennen.
Der A-Befehl
A bedeutet "aktuell". Wie auf meiner Homepage [1] auch, wird man
in einer Übersicht immer das Neueste kurz vorstellen.
Der I-Befehl
Mit I für Info wird Ihnen der Digipeater ausführlich vorgestellt mit
Standort, Betriebssystem und den Links zu anderen Stationen.
Zur Erinnerung: Beim Digi bedeutet I
"Info", beim Controller gibt der I-Befehl das aktuelle Rufzeichen an.
Der C-Befehl
C steht für "connect" (verbinden). Der Digi muss wissen, mit
welcher anderen Station Sie verbunden werden wollen. Also müssen Sie - durch ein
Leerzeichen getrennt - dahinter das gewünschte Rufzeichen eingeben. Von einem Digipeater
kann man sich zu einem anderen Digipeater oder zu einer Mailbox oder auch zu einem anderen
Funkpartner verbinden lassen. wenn Sie zu der nächst gelegenen Mailbox verbunden werden
wollen, verwenden Sie besser den Befehl m.
Achtung! Beim Digi bedeutet der Befehl C
"Connect", bei einer Mailbox ist es der "Check"-Befehl (folgt
später).
Der M-Befehl
Durch Eingabe des Befehls "m" bei einem Digipeater wird man zur
nächsten Mailbox verbunden.
Der Q-Befehl
Q kommt von "quit" (verlassen). Damit werden Sie wieder
disconnectet und automatisch zu der vorhergehenden Ebene herunter geschaltet. Wenn Sie
beispielsweise beim dritten Digipeater einer Kette angekommen waren, werden Sie zum
zweiten Digi zurück geschaltet.
Wenn Sie von dem dritten Digipeater komplett disconnectet werden wollen,
müssen Sie die Verbindung vom Controller zum ersten Digi trennen. Dies geschieht mit
einem Befehl an den Controller. Sie müssen dazu erst in die Kommandoebene schalten (zum
Beispiel mit der Escape-Taste) und dort den Befehl "d" für
"Disconnect" als Kommando eingeben.
Wenn Sie nur mit einem Digipeater verbunden waren, wirken sich zwar beide
Befehle gleich aus (Disconnect), dennoch gibt es einen Unterschied. Sollten nämlich noch
Datenpakete für Sie unterwegs sein, werden bei einem "Q" diese erst noch
übertragen und dann wird vom Digi aus der Befehl zum Disconnecten gegeben. Der Controller
nimmt darauf keine Rücksicht und disconnectet mit "d" sofort.
Mit diesen Befehlen kommt man normalerweise schon aus, wenn man
standardmäßig nur eine Verbindung zu einer Mailbox aufbauen möchte. Sehr interessant
aber sind erst die weiteren Möglichkeiten.
Weitere wichtige Befehle beim RMNC-Digipeater
Der D-Befehl
Wenn Sie gern einmal wissen möchten, ob nicht vielleicht in einer anderen
Mailbox, zum Beispiel im Ausland, noch viel mehr oder andere interessante Dinge
geschrieben stehen, können Sie sich über eine Kette von Digipeatern dort hin verbinden
lassen. Oder wenn Sie auf Reisen sind, können Sie sich direkt von dort zu Ihrer Mailbox
connecten. Dazu ist es sinnvoll, wenn Sie den Weg dahin wissen.
Bei den RMNC-Digipeatern braucht man aber den Weg gar nicht zu kennen,
denn die Digipeater enthalten eine "Destination-Liste". Dort sind intern die
Wege abgespeichert. Sie müssen den Digi nur fragen, ob Ihr gewünschter Digi oder sogar
die Mailbox nicht schon in der Zieldatei (destination) beim derzeitig connecteten Digi
vorhanden sind. Geben Sie einfach "D" ein, bekommen Sie eine schier unendlich
erscheinende Liste von Rufzeichen aus ganz Europa. Die Übertragung dieser Liste dauert
etliche Minuten.
Wenn Sie vielleicht nur ein Bruchstück des Rufzeichens wissen, zum
Beispiel, dass der Suffix des Rufzeichens eines deutschen Digis mit A anfängt, können
Sie "d db0a" eingeben. Oder Sie wollen einen Digi in der Schweiz connecten. Dann
geben Sie "d hb" ein. Sie bekommen dann allerdings nicht nur Rufzeichen, die mit
HB anfangen, sondern auch solche, die die Buchstabenkombination "..hb.."
irgendwo im Rufzeichen haben (Bild 4). Da die Digipeater in der Schweiz alle eine Neun im
Rufzeichen führen, geben Sie besser ein: "d hb9". Dann bekommen Sie nur
schweizer Stationen angezeigt.
Wenn Sie hinter das D noch ein Rufzeichen aus der Destination-Liste
setzen, zum Beispiel "d hb9gr", dann wird Ihnen der komplette Weg aufgelistet,
der vom derzeitigen Digi zum Zieldigi abgespeichert ist. Dies ist manchmal sehr
interessant, wenn man feststellen möchte, wo es denn auf der Strecke "hakt".

Bild 4: Anzeige beim Befehl "d lx" bei einem Digipeater
Die Zahlen hinter den Rufzeichen haben folgende Bedeutung. Zum Beispiel
steht im Bild 4 "DB0HBG 0-15 234. Zur Unterscheidung können bei Packet Radio zum
Aufbau mehrerer Verbindungen noch Ziffern SSIDs) angehängt werden, beispielsweise DJ4UF-0
(ist dasselbe wie DJ4UF allein), DJ4UF-1, DJ4UF-2 und so weiter bis DJ4UF-15. Für DB0HBG
sind also alle 15 SSIDs zulässig. Die Zahl dahinter (234) gibt die Qualität
(Schnelligkeit) der Strecke an. Die Zahl muss mit 0,1 multipliziert werden und gibt dann
die "Link-Zeit" in Sekunden an. Zu DB0HBG dauert es also hin und zurück 234 x
0,1 = 23,4 Sekunden. Dies ist für einen vernünftigen Packet Radio-Betrieb zu langsam.
Man sollte sich Strecken aussuchen, die einen wert unter 100 haben, also unter 10 Sekunden
liegen.
Zur Unterscheidung: Beim Controller bewirkt
der D-Befehl einen Disconnect, beim Digipeater bedeutet er die Liste der Zielrufzeichen
(destinations). mit SSID und Verbindungszeit.
Der L-Befehl
Ein dem D-Befehl verwandter Befehl ist der L-Befehl. Er bewirkt, dass Sie
eine Liste der "Link-Stationen" bekommen, das sind die Stationen, die über eine
Direktverbindung an dem Digipeater angeschlossen sind. Die Verbindung zu einer
Link-Station ist natürlich viel schneller, als zu einer weit entfernten Station, die erst
über viele Linkstrecken miteinander verbunden sind.
Achtung! Beim Digipeater bedeutet L
"Links", bei einer Mailbox bedeutet L "List" ( Erläuterung folgt
später).
Der F-Befehl
F steht für "find" (finden). Möchten Sie einen Funkamateur
unbedingt sofort direkt connecten und Sie wissen nicht, ob der OM gerade in Packet Radio
QRV ist und auf welchem Digi er "aushängt", können Sie ihn suchen lassen mit
"f <call>. Dann sucht der Digi bei allen angeschlossenen Stationen auf allen
Ports nach der gewünschten Station. Wenn Sie aber wissen, dass der OM nur diesen Digi und
gelegentlich noch einen oder zwei andere benutzt, können Sie die Rufzeichen der
Stationen, wo der Digi suchen soll, vorher mit dem "S-Befehl" eingeben.
Der S-Befehl
S kommt von "search" (suchen). Geben Sie - mit Semikolon
getrennt - die Rufzeichen der Digipeater ein, wo der Digi beim folgendenden Find-Befehl
nach einem call suchen soll.
Unterscheiden Sie: Beim Digipeater bedeutet
des S-Befehl "suchen" und bei einer Mailbox bedeutet der S-Befehl
"senden".
Der T-Befehl
T kommt von "talk" (sprechen). Wenn Sie zum Beispiel im Monitor
gesehen haben, dass eine Station, der Sie schnell mal "guten Tag" sagen wollen,
mit dem gleichen Digi wie Sie selbst verbunden ist, können Sie der Station eine kurze
Mitteilung (zirka eine Zeile) als Text auf den Bildschirm setzen. Sie brauchen dazu die
andere Station nicht zu connecten.
Wenn ich beispielsweise an DH4KYL auf dem Digi eine Meldung schicken
möchte, gebe ich ein: "t dh4kyl Hallo Brigitta, wie geht es?" oder einen
anderen Text. Dann wird Brigitta auf Ihrem Bildschirm kurz danach folgenden Text sehen
können, ohne dass die andere Verbindung unterbrochen wird.
*dj4uf: Hallo Brigitta, wie geht es? ( xxx prüfen!)
Bild 5: So sieht es aus, wenn man eine Talk-Meldung erhält.
Brigitta kann dann ebenso antworten, indem sie eingibt: "t dj4uf
Danke gut! Was gibt es Neues?" oder einen anderen Text.
Abschlussbetrachtung
Wie Sie aus der Liste in Bild 2 erkennen können, gibt es noch eine ganze
Reihe mehr Befehle. Den Convers-Betrieb möchte ich in einem separaten Bericht
ausführlich besprechen. Alle anderen Befehle sollten Sie einfach mal ausprobieren. Sie
können sich zu diesen Befehlen auch eine ausführliche Hilfe anzeigen lassen, indem Sie
"help <befehl>", also beispielsweise "h p" eingeben. Dann
bekommen Sie in diesem fall eine Hilfe zum P-Befehl.
Glauben Sie bitte nicht, es sei reine Schikane, dass man verschiedene
Befehle mit gleichen Buchstaben versehen hat. Es liegt einfach daran, dass ein Digipeater
ganz andere Aufgaben zu bewältigen hat als eine Mailbox. Die ausgewählten Buchstaben
sollen natürlich möglichst leicht zu merken sein. Da hat man die englische Sprache
gewählt, wobei häufig der erste Buchstabe in der deutschen Sprache auch passt, wie
beispielsweise "s" für Suchliste, "f" für finden, aber "t"
für sprechen (talk). Da merkt man sich vielleicht "Text senden". Bei
"m" merkt man sich natürlich Mailbox und nicht das deutsche Wort
Postfach.
Beim nächsten Mal werden wir einige Befehle der TNN-Digipeater kennen
lernen und beim übernächsten Mal wichtige Befehle bei einer Mailbox.
© 2001 Eckart K. W. Moltrecht, DJ4UF

weitersagen:
www.amateurfunklehrgang.de
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