Webmaster: Eckart K. W. Moltrecht

Urlaubsantennen

Eckart K. W. Moltrecht
DJ4UF

Welche Antenne für den Urlaub?

Zum Abschnitt  Multibanddipol

Zum Abschnitt  Multibandvertikal

Antworten auf häufig gestellt Fragen zu Antennen im Urlaub

Bereits seit mehr als 30 Jahren mache ich "Urlaub mit Amateurfunk" in ganz Europa. Fast immer habe ich ein Kurzwellen- und ein 2-m-Funkgerät dabei. Dabei habe ich mit sehr vielen Antennen experimentiert.

Frage: Welches ist denn die beste Antenne für den Urlaub?
DJ4UF: Die Frage lässt sich so einfach nicht beantworten. Es kommt darauf an, wie man Urlaub macht. Die Verhältnisse sind beim Camping-Urlaub ganz anders als beim Hotel-Aufenthalt. Und dann hängt es von den örtlichen Gegebenheiten ab. Hat man viel Platz oder soll die Antenne möglichst unauffällig sein? Außerdem spielt natürlich die Art des Funkbetriebs ein große Rolle. Für Packet Radio am Urlaubsort genügt vielleicht schon die steckbare Handfunkgeräteantenne, während für Kurzwelle möglichst eine frei aufgestellte Außenantenne benötigt wird.

Frage: Sagen wir mal, der OM möchte Kurzwellen-Funkbetrieb mit der Heimat durchführen und macht Camping. welche Antenne?
DJ4UF: Für den Campingurlaub würde ich eine "Groundplaneantenne" (GP) bevorzugen. Sie kann meist senkrecht am Wohnwagen befestigt werden und es gibt die Möglichkeit, Radials auszulegen oder die Blechverkleidung des Wohnwagens als Gegengewicht zu verwenden. 
Eine breitbandige "Reusenantenne" ist auch nicht schlecht.
Sollte aufgrund der Entfernung das 40-m-Band bevorzugt werden, ist eine lange Drahtantenne besser, die man vielleicht in vorhandene Bäume hängen kann. Wenn keine Bäume vorhanden sind, kann man auch eine Angelrute als Mast benutzen und eine "Inverted-V" verwenden, wie ich sie im Anschluss an diesen Bericht als "Multibanddipol" beschreiben werde [1]. 
Mit einem automatischen Anpassgerät (SGS) und einer möglichst langen (hohen) senkrechten Antenne (Draht auf Glasfiberrute) gegen das Blech des Campingfahrzeugs erregt, habe ich die besten Erfahrungen gemacht. Allerdings ist dies ja auch die teuerste Lösung

Frage: Wie sieht es beim Hotelaufenthalt aus?
DJ4UF: Meist schwierig! Ist ein Balkon vorhanden, kann man eventuell eine Groundplane befestigen oder besser die "Magnetische Schleifenantenne" (AMA) verwenden. Letztere ist mechanisch nicht so groß, hat einen guten Wirkungsgrad und benötigt kein Gegengewicht (Radials oder Erde). Allerdings sollte der Balkon freie Sicht in die gewünschte Funkrichtung zulassen. Hinter einem Stahlbetonbau ist man nämlich ziemlich abgeschirmt.
Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, einfach einen Kupferdraht aus dem Fenster in einen benachbarten Baum zu werfen und diesen "Langdraht" dann mit einer "Matchbox" anzupassen. Allerdings braucht man dann noch ein Gegengewicht, viel Metallmasse, eventuell einen Heizkörper oder eine Dachrinne oder die Wasserleitung. Sonst hat man "die Bude voll HF". Wer solche HF-Probleme befürchtet, sollte eine symmetrische Antenne (Dipol, W3DZZ) verwenden (siehe folgendes Bild).

Konstruktionsvorschlag für einen
Multibanddipol für 10 bis 40 Meter.

Ein Dipol hat bei Portabelbetrieb den Vorteil, dass keine Gegengewichte (Erde) benötigt werden und dass bei richtiger Konstruktion ein Anpassgerät überflüssig ist.

Steckbarer Multibanddipol

Steckbarer Multibanddipol 10m bis 40m

Die Details sind aus dem Bild zu erkennen. Es sind einfach aneinander ansteckbare Dipole. Zunächst baut man aus einfacher Litze einen Dipol für 10 m. Länge: Lambdahalbe + 10 Prozent. Dann spannt man diesen Draht in der gewünschten Höhe und (wichtig!) unter dem später vorhandenen Winkel auf und gleicht diesen durch Kürzen auf bestes SWR ab.
Dann klemmt man den für eine Verlängerung für 15 m notwendigen Teil an und gleicht wieder ab. Dies kann man fortsetzen für jedes gewünschte Band bis 40 m. Natürlich lässt sich diese Konstruktion auch bis 80 m erweitern, jedoch wird dann die Antenne schon sehr lang und schwer für die oben sehr dünne Angelrute.
Beim Arbeiten auf einem bestimmten Band trennt man dann einfach die Steckverbindung (siehe Bild B) an der entsprechenden Stelle auf.

 

Multiband-Vertikal-Antenne

 

Eine Vertikalantenne mit Einspeisung am Fußpunkt muss genau Lambda-Viertel Wellenlänge haben. Dann ist aber an der Einspeisestelle ein gutes Gegengewicht notwendig. Mit einem Auto oder Campingwagen aus Blech ist dies jedoch kein Problem.

Ich habe die Einspeisung so gelöst: Ich habe eine PL-Buchse genommen und einen Silberdraht am Masseteil angeschraubt. Dieser Silberdraht war nur 5 cm lang. Diesen habe ich dann unter eine Blechschraube auf dem Trittbrett des Wageneinstiegs geschraubt. Die Verbindung nach Masse muss möglichst kurz sein und an dieser Stelle sollte eine große Massefläche vorhanden sein. Ungeeignet sind Stoßstangen, Anhänger-Deichseln und so weiter, die einen längeren Weg haben, bis die Massefläche beginnt.

An den Mittelteil lötet man dann etwa 1,5 m flexiblen, isolierten Draht an, den man durch das Fenster nach außen führt. dort wird später die Verlängerungsspule dazwischen gesetzt beziehungsweise der Antennendraht mit Hilfe einer Lüsterklemme angeschraubt. Die Buchse verbindet man mit einem normalen 50-Ohm-Kabel unter Zwischenschaltung eines SWR-Meters mit dem Transceiver.

Den Abgleich der Antennenteile macht man genau wie beim Multibanddipol. Man beginnt bei 10 m und gleicht auf bestes SWR ab. Allerdings wird das SWR nicht unter 1,5 gehen, weil eine Lambda-Viertelantenne bei Resonanz einen kleineren Wellenwiderstand hat als 50 Ohm. Dann fügt man für die nächsten Bänder die notwendigen Stücke an und gleicht Band für Band ab.

Allerdings kommt man bei einer Länge der Angelrute von 8 m nur bis zum 30-m-Band (10,1 MHz). Denn Lambda-Viertel sind schließlich ein Viertel von 30 m gleich 7,5 m. Möchte man mit dieser Vertikalantenne auch niedrigere Bänder erreichen, also 40 m oder 80 m, kann man entweder die Antenne oben mit Drahtstücken verlängern, die man dann möglichst waagerecht abspannt, was wieder Platzprobleme bringt, oder aber mit einer Verlängerungsspule in Resonanz bringen.

Im Bild oben ist die Verlängerungsspule zu sehen, die ich im Urlaub an Ort und Stelle auf dem Campingplatz konstruiert habe. Die Anzahl der Windungen hängt von der Stelle ab, wo man die Spule einbaut. Je weiter unten, desto weniger Windungen muss sie haben, da dort der Hochfrequenzstrom größer ist als weiter oben.

Weil es aber ganz genau auf eine Windung ankommt, habe ich eine Spule auf einen Kunststoff-Trinkbecher nach folgendem Prinzip gewickelt. Ich wollte 15 Windungen erreichen. Zunächst habe ich 8 Windungen aufgewickelt und dort mit einer Lüsterklemme eine Trennstelle eingefügt. Dann habe ich weitere 4 Windungen dazu gewickelt, isoliert, weitere zwei und schließlich noch eine Windung

Nun hat man eine Spule, bei der man jede Windungszahl von 1 bis 15 nebst allen Zwischenwerten einstellen kann. Dies funktioniert wie beim dualen System. Es gibt folgende Kombinationen.

8 Wdg. 4 Wdg. 2 Wdg. 1 Wdg. gesamt
      x 1
    x   2
    x x 3
  x     4
  x   x 5
  x x   6
  x x x 7
x       8
x     x 9
x   x   10
x   x x 11
x x     12
x x   x 13
x x x   14
x x x x 15

Man muss die entsprechenden Windungen einfach mit den Lüsterklemmen verbinden und die anderen Teile herauslassen. Wenn man einmal die richtige Kombination für 40 m oder für 80 m gefunden hat, kann man sich eine neue Spule mit der entsprechenden Gesamtwindungszahl wickeln.

Möchte man die Resonanzfrequenz in geringem Maße erhöhen, kann man den oberen Teil der Antenne von der Spule bis zur Spitze leicht auf die Angelrute aufdrehen. Die effektive Länge der Antenne wird geringer und die Frequenz höher. Erniedrigen der Resonanzfrequenz geht durch Verlängern des oberen Teils um kleine Stücke von zirka 10 cm.

Diese Antenne hat sich im Urlaub für unsere Pactorverbindungen von Südspanien nach Deutschland hervorragend bewährt. Es wurde mit dieser Antenne und mit 50 Watt vom Auto von Spanien aus sogar Australien auf 40 m in SSB gearbeitet.

Literaturhinweis:
[1] E. Moltrecht, Urlaubsantennen, funk 4/1987 Seite 39

© Eckart K. W. Moltrecht, DJ4UF, April 2001

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