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Eckarts Lehrstunde aus Funk 3/1999
Thema: Linux für den Funkamateur?
Immer mehr Amateurfunk-Digipeater oder Mailboxen werden auf Linux
umgestellt. Immer mehr OMs beschäftigen sich mit Linux. In den Fachschulen und
Hochschulen arbeiten die Studenten ebenfalls mit Unix oder Linux und verachten Windows.
Man sagt, die Betriebssicherheit sei viel größer. Was ist Linux? Ist Linux auch etwas
für den Normalanwender? Diesen Fragen bin ich nachgegangen und will aus meiner ersten
Erfahrung darüber in dieser Lehrstunde berichten.
Linux ist ein Betriebssystem für den Computer. Linux ist ein Ableger von Unix,
dem Betriebssystem für Netze der Universitäten und der Großindustrie. Linux ist aber
nicht etwa ein "Little Unix". Linux ist ein vollwertiger Ersatz für Unix und zu
98 Prozent kompatibel zu Unix. Unix ist 1969 von der amerikanischen Firma T&T
entwickelt und dann für die Universitäten frei zur Verfügung gestellt worden. Dort
wurde es weiter entwickelt. Es steht aber nicht jedermann frei zur Verfügung.

Geschichtliches
Deshalb wurde von Professor Andrew Tanenbaum der Freien Universität Amsterdam ein
kleines Unix, namens Minix entwickelt. Dies hatte einige Einschränkungen, die vom Urheber
im Sinne eines Lehrbetriebs gewünscht wurden und die weiterhin bestehen bleiben sollen.
1991 fing Linus Benedict Torvalds in Helsinki damit an, die Möglichkeiten des 386 Intel
Prozessors in seinem neuen PC zu studieren. Er hatte das 386er Minix installiert und damit
das C-Entwicklungssystem der "Free Software Foundation". In nur einem halben
Jahr entwickelte er ein lauffähiges Betriebssystem, das er von Anfang an frei angeboten
hat. Jeder kann die Quelltexte bekommen und daran unter den Bedingungen der GNU Public
License mitarbeiten, was bedeutet, dass Programme unter dem Zeichen GNU inklusive
Quelltext kostenlos veröffentlicht werden müssen
Aber nicht nur Studenten waren und sind daran beteiligt, Programme unter dem Zeichen
GNU zu veröffentlichen. Auch immer mehr Programmierer sind dabei, dieses Betriebssystem
komfortabler zu machen. Der Anwender soll damit wie unter Windows 95 auf einer grafischen
Oberfläche arbeiten können, ohne von der eigentlichen Programmierung etwas verstehen zu
müssen. Der Profi kann weiterhin im Kommandozeilenmodus wie unter DOS arbeiten. Die
Programme werden dann auch mit dem Quellcode weitergegeben. Damit können andere
Programmierer das Programm weiter verbessern und dies dem ursprünglichen Autor mitteilen,
so dass recht schnell immer komfortablere Versionen entstehen. Linux ist ein ernsthafter
Konkurrent zu Microsoft Windows und Windows NT.

Erste Erfahrungen
Ich habe mir für Eckarts Lehrstunde daraufhin einmal bei einem befreundeten OM das
Arbeiten unter Linux angesehen. Zunächst war ich etwas enttäuscht, dass die Oberfläche
eher aussah wie früher bei DOS und man "zu Fuß" (Kommandozeilenmodus) einige
Befehle eingeben musste, bis man schließlich auf die Anwenderoberfläche kommen konnte.
Der OM startete für mich sein Packet-Programm tatsächlich aus einer Bedieneroberfläche
(KDE), die wie Windows 95 aussah mit einem Startknopf und sich öffnenden
"Pullup-Menüs". Die Beschriftung war in deutsch und auch für mich als
gewohnter Windows 95 Anwender leicht zu verstehen und leicht zu bedienen. Packet zu
starten war kein Problem. Inzwischen weiß ich, dass man auch direkt zu dieser grafischen
Oberfläche booten kann, ohne einen zusätzlichen Befehl auf der Konsole.
Das darauf hin gestartete Packet-Programm "TNT" selbst ähnelt eher dem
Baycom für DOS oder dem Eskay-Packet und hat keine so schöne Bedieneroberfläche, wie
man diese von "Visual Packet 98" oder "WinGT Voice" oder "Packet
for Windows" (P4Win) oder "Graphic Packet 85" und anderen modernen
Programmen gewohnt ist. So sahen die Programme schon damals bei meinem Apple II oder auch
beim VC64 (Digicom) aus. Damit kann nur jemand zufrieden sein, der nichts
"besseres" kennt oder keine grafischen Oberflächen mag.
Wie ich soeben (Dezember 98) erfuhr, gibt es in den Amateurfunk-Mailboxen neuerdings
auch ein Linux Packet-Programm, das unter der Bedieneroberfläche KDE läuft und wohl
ähnlich gestaltet sein soll, wie die neuen Windows-Programme. Es ist unter dem Dateinamen
LinKT.tgz bei DB0EA-8 im Server unter Linux zu finden. Allerdings ist die Installation
nicht so einfach wie unter DOS oder unter Windows. Ich werde in Eckarts Lehrstunde
gelegentlich darüber berichten.

Die erste Installation von Linux
Ich wollte es für Eckarts Lehrstunde genauer wissen und besorgte mir eine
Linux-"Distribution". Das Betriebssystem Linux bekommt man praktisch kostenlos.
Dies ist natürlich der Hauptvorteil gegenüber Windows. Allerdings ist die Installation
des reinen Betriebssystems für einen Laien viel zu schwierig. Deshalb haben einige Firmen
"Distributionen" entwickelt, bei der die Installation mit einem Hilfsprogramm
durchgeführt wird und der Anwender nur auszuwählen braucht, welches "Zubehör"
er installiert haben möchte. Diese Distributionen auf einer oder mehreren CDs mit
Handbuch kosten zwischen 25 und 100 DM.

Bild: Den Desktop unter Linux kann man so einstellen wie bei Windows,
hier mit einem Hintergrundbild für den Funkamateur, eine sich nach der Tageszeit drehende
Ansicht der Erde.
Dieses Bild wurde hier auf der Homepage etwas gestaucht. Es ist
aber in voller Größe vorhanden (800 x 600). Holen Sie sich das Bild separat heraus und
stellen Sie bei Eigenschaften die Bildgröße auf 100 Prozent.
Bekannte Distributionen sind S.u.S.E (www.suse.de).
Red Hat Linux (englisch, www.red-hat.com), Delix (www.delix.de), Caldera (www.lune-tix.de). Ferner gibt es vom bhv-Verlag für
29,80 DM ein 700 Seiten starkes Taschenbuch mit dem Titel Linux, das eine CD mit OpenLinux
Lite Version 1.2 (Caldera Distribution) enthält. Bei der SuSE-Distribution ist ebenfalls
ein 500 Seiten starkes Handbuch dabei. Aus diesen beiden Büchern und aus der Unterhaltung
auf den Amateurfunkfrequenzen (tnx DG5KR) und mit Schülern der Berufsschule, Fachklasse
für Informationselektroniker, stammen die Informationen zu diesem Artikel.
Ich habe mir die Distribution von S.u.S.E. geholt, die in der Zeitschrift PC INTERN
Heft 11/98 kostenlos beigefügt war. Diese Distribution enthält außer dem reinen
Betriebssystem Linux 5.3 auch noch die neue Bedieneroberfläche KDE, die man wie Windows
95 einstellen kann, sowie eine Demoversion von Star Office, eine Grafik Software Gimp 1.0
und den Internet-Browser Netscape Communicator.
Nun machte ich mich an die Installation. Gut, dass meine 1,3 GB Festplatte eine
Partition von 400 MB hatte. Man benötigt eine freie Partition (einen separaten
Teilbereich einer Festplatte) oder eine zweite Festplatte von dieser Größe. Die Schüler
empfehlen mindestens 500 MB freien Festplattenspeicherplatz. Auf dieser Partition hatte
ich alle meine Daten. Diese musste ich erst retten, um die gesamte Partition für Linux
frei zu machen. Ein ZIP-Laufwerk war dafür eine große Hilfe. Wenn diese Partition nicht
zur Verfügung gestanden hätte, müsste man mit einem Hilfsprogramm von Linux oder auch
von Windows (FDISK) erst eine neue Partition schaffen. Dies kann man übrigens mit dem
Programm FIPS von Linux auch nachträglich machen auch wenn Daten auf der
Festplatte sind. Allerdings ist Vorsicht geboten. Wichtige Daten muss man auf jeden Fall
vorher retten.
Nun begann nach Anleitung aus der Zeitschrift PC INTERN die Installation. Selbst für
einen doch einigermaßen erfahrenen Computeranwender, der schon häufig seine Festlatte
neu formatiert und damals unter DOS und Windows 3 oder jetzt unter Windows 95 und Windows
98 im System (Config.sys, Autoexec.bat, System.ini, Win.ini, RegEdit usw.) gearbeitet hat,
war die Installation nicht ganz einfach. Immer wieder tauchten Fragen auf, die man nicht
so direkt beantworten kann.
Beispiele:
- Wünschen Sie eine Unterstützung von PCMCIA?
- Wie groß soll die SWAP-Partition sein?
- Welche Partition (HDA1, HDA2, HDA5, HDA6) soll für Linux verwendet werden?
- Soll das Laufwerk HDA1 als MSDOS, EXT2 oder VFAT gemountet werden?
Und so weiter. Wenn man die zusätzliche Hilfe zu diesen Fragen aufruft, kann man als
erfahrener Computeranwender auch das alles meistern und schließlich "läuft"
das Betriebssystem. Bei der ersten Installation habe ich mehrere Stunden benötigt, aber
inzwischen schaffe ich es fast in einer halben Stunde. Gut ist es, wenn Sie die erste
Installation zusammen mit einem Bekannten machen können, der schon mehr Erfahrung mit
Linux hat. Für einen reinen Anwender von Windows-Programmen, der keinerlei Erfahrungen
mit DOS oder dem Betriebssystem Windows hat, ist die Installation mit Sicherheit zu
schwierig. Die angebotenen Distributionen werden aber immer besser und die Bedienung mit
der grafischen Oberfläche KDE immer einfacher.

Das Einloggen bei Linux
Hat man Linux endlich installiert, meldet es sich auf der Kommandoebene mit der
Aufforderung "Login:". Was jetzt? Hier muss man den Login Namen (gesprochen:
log-in) eingeben, den man vorher bei der Installation ausgewählt hat und anschließend
ein Passwort (Haben Sie es sich gemerkt?). Oder man meldet sich als Systemadministrator
mit "root" und Passwort an. Hat dies geklappt und Sie werden akzeptiert, wartet
das Betriebssystem auf weitere Eingaben. Empfehlung: Starten Sie zunächst die grafische
Oberfläche (X-Windows) mit "startx". Achtung! Bei Linux wird Groß- und
Kleinschreibung unterschieden. Es gibt verschiedene grafische Oberflächen
(Windows-Manager) bei Linux. Die neuste ist KDE, die wie Windows 98 aussieht.
Sehr gewöhnungsbedürftig ist die Anmeldung (Login) im System. Dazu ein paar Sätze.
Unix und damit auch Linux arbeiten mit möglichst hoher Sicherheit des Betriebssystems.
Somit gibt es keine "Abstürze", wie man sie bei Windows 95 und auch noch in
Windows 98 immer wieder erlebt. Es wird gewährleistet, dass kein "Unbefugter"
oder auch keine installierenden Programme das System verändern können, wie dies bei DOS
mit Eintragungen in der Autoexec.bat oder Config.sys oder bei Windows 3 in der Win.ini
oder System.ini möglich war und unter Windows 95 und Windows 98 mit Eintragungen in der
"Registry" noch immer möglich ist.
Bei Linux (Unix) gibt es eine Struktur der "Verantwortlichkeiten" wie in
einer großen Firma. Es gibt den Chef, der alle Rechte hat. Bei Linux ist es
"root". Darunter ist dann die Abteilung (Gruppe "group") mit Rechten,
die nur die Abteilung betreffen und die Angestellten ("user"). Ein User hat
keine Systemrechte. Er kann nur Programme anwenden. Er kann nur eigene Dateien
beschreiben, nicht solche, die einer höheren Ebene angehören und erst recht keine
Systemdateien verändern, es sei denn, der Chef hat dies erlaubt. "Root" kann
Rechte auf Ordner und Dateien vergeben.
Ist man nun Besitzer des Computers und auch des Betriebssystems und fühlt sich als
Chef unter Linux, kann man sich als "root" einloggen und damit auch Änderungen
am System vornehmen. Dies sollte man aber wirklich nur dann tun, wenn etwas nicht so
funktioniert, wie es soll und dafür Änderungen gemacht werden müssen. Dann muss man
sich aber auch bewusst sein, dass man durch diese Eingriffe das System unter Umständen
kaputt machen kann.
Möchte man "nur" ein Programm installieren, meldet man sich besser als
Benutzer (User) unter seinem gewählten Namen an und bekommt dann die Rechte für das
installierte Programm. Dort kann man dann auch Änderungen vornehmen. Stimmen dann
irgendwelche Einstellungen im System (Grafikkarte, Maus, Soundkarte, Schnittstelle usw.)
nicht, muss man auf einen anderen Bereich wechseln und sich dort als Chef
("root") anmelden, um diese Änderungen machen zu können.

Anmelden ("mounten")
Noch etwas ist ungewöhnlich bei diesem Betriebssystem im Vergleich mit DOS oder
Windows. Es gibt keine Laufwerksbuchstaben. Es gibt nur Verzeichnisse. Will man den Inhalt
einer CD-ROM sichtbar machen, muss die CD "eingehängt" (gemountet) werden.
Über das eingerichtete Verzeichnis kann man dann auf die Daten zugreifen. Solange die CD
eingehängt ist, kann man diese auch nicht aus dem Schacht nehmen. Erst muss die CD wieder
"ausgehängt" (umountet) werden. Der Ordner wird dann wieder geleert. Gleiches
gilt für die Diskettenlaufwerke oder für das DOS- oder Windows-Laufwerk.
Man kann aber dann Dateien von der CD-ROM, dem Laufwerk A oder der Festplatte C auf die
Linux-Partition kopieren, obwohl Linux ein anderes Format verwendet. Linux kann alle
Formate lesen. Allerdings müssen die Formate im System angemeldet werden.
Linux ist ein echtes Multitasking System. Die einzelnen Anwendungen arbeiten vollkommen
unabhängig in unterschiedlichen Bereichen des zur Verfügung stehenden RAMs. Wenn ein
Programm in einem Bereich aus irgendeinem Grund "streikt", weil man
beispielsweise während einer Packet Radio-Verbindung das Modem ausgeschaltet hat, stoppt
nicht gleich das gesamte System, sondern nur diese einzelne Anwendung. Diese kann man dann
von einem anderen Bereich aus in Ruhe ausschalten, ohne dass dies einen Einfluss hat auf
die anderen laufenden Programme. Hier liegt die besondere Betriebssicherheit.

Ist Linux etwas für Sie?
Vorteile: Wer Linux installiert, holt sich fast 30 Jahre Betriebssystemerfahrung auf
den PC. Er braucht sich nicht mehr mit Betriebssystemabstürzen herum zu ärgern. Das
Betriebssystem ist kostenlos. Für den Amateurfunkbereich werden zur Zeit sehr viele neue
Anwendungen entwickelt. Im Amateurfunk gibt es sehr viele Computerfreaks, die etwas von
Linux verstehen und gern den Einsteigern helfen. Linux ist netzwerkfähig. Linux ist ein
echtes Multitasking-Betriebssystem und unterstützt den Multiuser-Betrieb ohne Begrenzung
auf eine bestimmte Anwenderzahl. Für Linux gibt es unendlich viel (kostenlose) Software
im Internet (z.B. unter www.Linuxlinks/software).
Haben Sie nicht noch einen älteren 386er oder 486er, der für Windows 95/98 zu langsam
ist? Der wäre gerade richtig für die ersten Gehversuche mit Linux.
Nachteile: Linux verlangt eine gehörige Zeit an Einarbeitung. Man muss sich erst an
die neue Systemphilosophie gewöhnen. Während Windows ein relativ starres System ist,
ermöglicht Linux dem Anwender prinzipiell erst einmal jede Entscheidung und
Systemanpassung. Das bedeutet für den Anwender, dass er sich mit dem System
auseinandersetzen muss.
Bis Sie sich vollkommen mit Linux vertraut gemacht haben, brauchen Sie nicht auf Ihr
gewohntes System zu verzichten. Die ursprüngliche DOS/Windows Partition bleibt erhalten.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, Linux zu starten. Beispielsweise von Diskette. Oder beim
Hochfahren (Booten) des Computers können Sie mittels Bootmanager auswählen, ob Sie nach
Windows (DOS) oder nach Linux weiter booten wollen.
Unter Linux kann man das DOS-System und auch Windows 3 "emulieren"
(nachbilden). Mit einem DOS-Emulator lassen sich die meisten DOS-Programme und mit einem
Windows-Emulator Windows-3.11-Programme von Linux aus starten.
Für mich steht fest: Ich werde mich in der nächsten Zeit etwas näher mit Linux
vertraut machen und immer wieder über meine Erfahrungen in Eckarts Lehrstunde in FUNK
berichten. Allerdings darf natürlich Windows nicht vernachlässigt werden. In der
folgenden Lehrstunde werde ich über die Verbindung Computer Computer mit Windows
95/98 berichten. Verbinden Sie Ihr Laptop mit dem Haupt-PC!
Literaturhinweise:
[1] bhv-Taschenbuch LINUX mit CD 29,80 DM (1999)
© 1999 Eckart K. W. Moltrecht, DJ4UF


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