Webmaster: Eckart K. W. Moltrecht

DOS-Starter für Windows ME

Eckart K. W. Moltrecht
DJ4UF

Eckarts Lehrstunde aus Funk 06/2001

DOS-Starter für Windows ME

Wie bekommt man DOS-Amateurfunkprogramme unter Windows ME zum Laufen?

Durch einen Leserbrief von Gerd Krause, DJ4SB aus Mannheim wurde ich angeregt, mich einmal mit dem Problem zu beschäftigen, wie man Amateurfunkprogramme, welche die serielle Schnittstelle benutzen, unter Windows ME zum Laufen bringen kann. Er schrieb mir, dass sein Lieblingspacketprogramm GP nun nicht mehr läuft und auch andere das gleiche Problem haben.

Gern wollte ich dieses Problem aufgreifen und mich auch mal etwas ausführlicher mit Windows ME beschäftigen. Allerdings habe ich das Betriebssystem nicht und musste versuchen, die Lösungen über Funk zu finden, indem ich mich mit zwei OM aus der Gegend verständigte, die Windows ME benutzen. Hermann, DJ8TL und Hartmut, DK3OZ halfen mit. Für die Klärung technischer Probleme ist der Amateurfunk mit seinen vielen Spezialisten eine große Hilfe.

Ich hatte bereits erfahren, dass man unter Windows ME nicht mehr in den DOS-Modus booten kann, da angeblich kein DOS mehr installiert wird. Allerdings gibt es weiterhin die "MS-Eingabeaufforderung", bei der man viele Programme noch im DOS-Fenster laufen lassen kann. Windows ME setzt mehr auf Sicherheit und lässt es nicht zu, dass durch DOS-Programme in geschützte Bildschirmspeicherbereiche gesprungen wird oder dass man beispielsweise mit dem Norton Commander von DOS das System zerstören kann.

Schwierig sei es auch mit DOS-Programmen, die mehr als zirka 400 KB konventionellen Speicher gebrauchen. Für Funkamateure aber besonders schwerwiegend ist, dass die COM-Schnittstellen unter Windows ME im DOS-Fenster nicht mehr richtig arbeiten. Auch diese sind von Windows ME geschützt. Bald hatte Herrmann,DJ8TL aus Aachen einen Trick heraus gefunden, wie man unter Umständen doch das eine oder andere Programm mit Zugriff auf eine serielle Schnittstelle aktivieren kann. Beim Pactorprogramm Plusterm gibt es eine Funktion: "Aufruf eines externen DOS-Programms". Wenn man unter Plusterm dieses externe DOS-Programm, zum Beispiel den DOS-Editior, aufruft und wieder schließt, geht plötzlich die Schnittstelle im DOS-Fenster. 

Es gibt auch unter Windows ME noch das "gute alte" DOS (DOS8), das aber sehr versteckt wird und beim Booten nicht mehr so ohne weiteres (F8-Taste) erreichbar ist, wie es noch unter Windows 98 der Fall war. Schlaue Techniker haben aber sofort eine Abhilfe geschaffen. Sie finden ein kleines Tool im Internet, mit dem Sie eine Art Bootmanager einrichten, um unter Windows ME auch in das DOS-System zu booten. Ich habe mir das Programm DOS4ME von nur 100 KB von der Homepage von PC-Welt geladen. Man findet den DOS-Starter für Windows ME unter http://www.pcwelt.de/downloads/system/system-utilities oder einfacher unter www.antonis.de/dos.htm

Dieses Programm speichern Sie auf Ihrem PC und starten das automatische Setup. Wenn Sie danach den Computer herunter fahren und wieder neu starten, taucht beim Hochfahren plötzlich ein neues Fenster auf mit dem Bootmanager. Klicken Sie sofort innerhalb von maximal zehn Sekunden auf die Taste "D" für DOS und Sie sind im Realmodus von DOS. Nun können Sie Ihre DOS-Programme nach Herzenslust laufen lassen. Hartmut, DK3OZ aus Stolberg-Breinig hat für mich den Test gemacht. Sein DOS-Programm Plusterm läuft nun einwandfrei unter Windows ME im DOS-Modus.

Um mit diesem Programm in den DOS-Modus zu wechseln, muss man vor dem Herunterfahren einmal WININIT starten und den Computer wieder hoch fahren. Damit das Bootmenü nicht nur einmal läuft, können Sie auch eine Verknüpfung der neuen Datei WININIT.EXE aus dem Ordner WINDOWS in den Autostart Ordner herstellen. Diesen Ordner finden Sie unter c:\windows\startmenü\programme\autostart. Ab jetzt wird bei jedem Hochfahren des Computers dieses Bootmenü gestartet.

DOS unter Windows 98 oder Windows ME?

Gerd Krause, DJ4SB aus Mannheim fragte noch, ob er nicht doch besser wieder auf Windows 98 zurück gehen soll, um seine DOS-Programme weiterhin nutzen zu können. Ich bin der Meinung, dass es für alle DOS-Programme sehr guten Ersatz in Form moderner Windows-Programme gibt. Im Amateurfunk findet man viele neue 32-Bit-Programme, die unter Windows 3.1 nicht mehr laufen, aber unter Windows ME hervorragend ihren Dienst tun. Diese Programme werden meistens im Internet sogar kostenlos angeboten. Man denke nur an Paxon für Packet Radio oder Alpha für Pactor und viele andere. Nicht zu unterschätzen ist auch die Möglichkeit, unter Windows 95/98/ME mehrere Programme gleichzeitig zu betreiben, wie zum Beispiel Pactor oder Packet und ein Logbuchprogramm nebenher. 

Ferner gibt es neuerdings immer mehr Programme für digitale Betriebsarten, die keinen Controller mehr benötigen, sondern die Soundkarte als DSP-Controller nutzen. Ein solches Programm habe ich in den letzten beiden Heften der Funk vorgestellt, nämlich das "Soundmodem" für Packet Radio. Bei diesem Programm hieß es von Seiten der Nutzer, dass das Programm nur unter Windows ME einwandfrei läuft. Für Windows 98 benötige man eventuell neuere Treiber für die Soundkarte. Dafür spricht also, dass man Windows ME nicht so schnell "wegwerfen" sollte.

Wenn Sie auf Ihre lieb gewonnen DOS-Programme auf keinen Fall verzichten wollen oder können, gibt es dafür verschiedene Lösungsmöglichkeiten. Die empfehlenswerteste ist diese: Verwenden Sie den alten DOS-Computer (z.B. 386er) weiterhin für Ihre DOS-Amateurfunkprogramme. Wenn Sie sich dann so langsam an das eine oder andere 32-Bit-Programm für Windows ME gewöhnt haben, steigen Sie schließlich endgültig um auf den neuen Computer.

Eine ziemlich radikale Möglichkeit wäre, auf Windows 98 zurück zu gehen. Unter Windows 98 ist der DOS-Realmodus noch möglich. Dazu müssen Sie aber die Festplatte formatieren und das Betriebssystem von Grund auf neu auf den Computer bringen. Windows ME läuft dann nicht mehr. Aber Windows ME ist eigentlich nur ein im Medienbereich etwas erweitertes moderneres Windows 98. Wenn ich Windows ME hätte, würde ich auf keinen Fall nur wegen DOS auf die ältere Version Windows 98 zurück gehen. Mit dem neuen DOS-Bootmanager ist das Hauptproblem ja gelöst.

Eine weitere Möglichkeit könnte die Einrichtung eines echten Bootmanagers für mehrere Betriebssystem sein. Ich habe so etwas einmal gemacht für DOS/Windows und OS/2. Ob es allerdings für Windows ME funktioniert, ist mir derzeit nicht bekannt. Für Windows 98 geht es. Ich habe mir ein Bootmenü unter DOS gemacht, mit dem ich entweder nach DOS oder nach Windows 98 oder nach Linux booten kann. Die Einrichtung dieses Bootmenüs ist nicht ganz einfach. Ich habe die beiden Systemdateien Config.sys und Autoexec.bat hier einmal wieder gegeben. Für OM, die sich mit DOS auskennen, dürfte es keine große Schwierigkeit bedeuten, diese Dateien entsprechend für die eigenen Bedürfnisse abzuwandeln. Allerdings muss in der MSDOS.SYS bei Windows 98 BOOTGUI=0 gestellt werden. Ich habe dies in der Lehrstunde der "funk" 3/1997 ausführlich beschrieben. Diesen Bericht finden Sie auch auf meiner Homepage unter www.qsl.net/dj4uf. Um Linux aus dem Bootmenü booten zu können muss "LOADLIN" installiert sein. Für Windows ME schaffen wir es derzeit noch nicht, ein anderes Bootmenü als DOS4ME zu erstellen.

Zum Starten mehrerer Betriebssysteme kann man ein Bootmenü anlegen (Config.sys)

Die zugehörige Autoexec.bat für die Einrichtung eines Bootmenüs

 

© 2001 Eckart K. W. Moltrecht, DJ4UF

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